Womöglich wussten die Spieler von Claus-Dieter Wollitz ihren ersten Dreier der Saison am Sonntagnachmittag noch mehr zu schätzen als ohnehin schon. Denn während sich ein Großteil der Liga am Wochenende in der brütenden Mittagshitze miteinander streiten und Kontrahent Nordhausen bei diesen Bedingungen sogar schon seine zweite Schlappe quittieren musste, konnten die Energie-Spieler zumindest den kompletten Sonntag entspannen, nachdem sie am Freitagabend bei zwar immer noch schweißtreibenden, aber ungleich angenehmeren Temperaturen hatten spielen dürfen. Richtig hitzig war es im Jahn-Sportpark im Grunde erst geworden, als Cottbus dem BFC schon längst den Zahn gezogen und sich kurz vor Abpfiff nochmal eine Rudelbildung ereignet hatte.

Ansonsten ließ die, gerade nach dem dürftigen Auftritt im Landespokal vorige Woche, so heftig kritisierte Cottbuser Mannschaft kaum Hektik aufkommen und meisterte diese erste Reifeprüfung in der neuen Liga. Denn wichtige Ausfälle wie die der beiden Innenverteidiger Marc Stein und Philipp Knechtel aufzufangen und dann auch noch einem Rückstand zu trotzen bei einem der besseren Regionalliga-Rivalen, zeugt von Stärke. "Vielleicht haben nicht mehr viele auf uns gewettet, aber es war umso schöner, das Spiel noch zu drehen", zeigte sich Tim Kruse erlöst.

Der Ersatzkapitän, der bisher noch nicht hatte überzeugen können im Energie-Dress, machte gegen den BFC sein bestes Spiel, seitdem er aus Halle nach Cottbus kam. Erstmals deutete Kruse an, welche Verstärkung er sein kann. Mit einem gezielten langen Ball in die Spitze war er auch der Ausgangspunkt des Siegtreffers. Kruse: "Ich glaube, dass wir alle nicht ganz zufrieden waren mit dem Start." Nicht zuletzt seinem Trainer habe man die Anspannung angemerkt. "Dass die Jungs hinterfragt wurden, die er ausgesucht hat, war sicher nicht einfach für ihn."

Nun aber ist er da, der erste Sieg. Die Mannschaft erbrachte eine Leistung, mit der man nicht nur Punkte, sondern auch das Vertrauen der Fans zurückgewinnen kann. "Es war ein total wichtiger Sieg", sagte Siegtorschütze Benjamin Förster. "Auch weil es gegen einen Mitkonkurrenten war." Förster weiß aber auch, dass man nach dem 2:1 nicht in Feierlaune verfallen darf. Der Sieg war ein erster Befreiungsschlag - mehr nicht. Energie findet sich nach wie vor im zweiten Tabellenbild wieder. Förster: "Wir haben immer noch nur sechs Punkte aus vier Spielen. Aber wir sind zumindest auf einem guten Weg."

Energie will die Bälle also flach halten. Doch nicht nur metaphorisch, sondern auch im Wortsinn. Denn "jetzt kommen die vermeintlich leichteren Gegner", so Förster. Und die werden Energie kaum den Gefallen tun, früh aus ihrer Ordnung zu stoßen und mitzuspielen, so wie es der BFC praktizierte. Dass der Ball am Boden gut läuft und Energie hier mit seiner Offensivabteilung um die beiden Torschützen Förster und Fabio Viteritti sowie den zweifachen Wegbereiter Björn Ziegenbein und den ständigen Aktivposten Kevin Weidlich Vorteile gegenüber anderen Teams haben kann, war am Freitag zu sehen. Förster: "Wir dürfen nicht so viel schlagen und müssen den Ball flach halten, dann können wir auch Abwehrbollwerke knacken." Frei nach dem Motto: Flach spielen, hoch gewinnen.

Die nächsten Gegner heißen Schönberg, Meuselwitz und Auerbach. "Da müssen wir wieder 100 Prozent geben", sagt Förster. "Und dann sieht die Tabelle nach ein paar Spieltagen schon wieder ganz anders aus."