Von Frank Noack und Jan Lehmann

Der Jubel über den erfolgreichen Auftakt währte bei Energie Cottbus nur kurz – nach dem 3:1-Sieg gegen die VSG Altglienicke am Samstag im Stadion der Freundschaft hallt stattdessen vor allem die Pressekonferenz von Trainer Claus-Dieter Wollitz nach. Er schlug Alarm und forderte: „Der Verein muss Farbe bekennen und die ,Mission Wiederaufstieg‘ zurücknehmen. Diese große Erwartungshaltung hat die junge Mannschaft  nicht verdient. Stattdessen setzt man sie extrem unter Druck.“

Dabei wurde deutlich, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Coach und Vereinsführung beschädigt ist. Präsident Werner Fahle wollte sich auf RUNDSCHAU-Nachfrage am Sonntag noch nicht dazu äußern. Er betonte, dass er mit dem Trainer im Gespräch sei.

Es rumort im Verein. Und so freuten sich die Energie-Fans nicht nur über den verdienten, wenngleich etwas wackligen Auftaktsieg des Mini-FCE, sondern diskutierten auch verschiedene Szenarien. Inzwischen ist vieles denkbar – sogar, dass Trainer Wollitz bald nicht mehr auf der FCE-Bank sitzt. Er selbst deutete ein mögliches Ende seiner Amtszeit an: „Wenn jemand anderes mit dieser Mannschaft aufsteigen kann – ich würde zur Aufstiegsfeier kommen. Im Energie-Trikot!“

Mit nur 15 Feldspielern und einem Durchschnittsalter von 22,3 Jahren siegte Energie dank der sehenswerten Tore von Dimitar Rangelov (23.), Berkan Taz (42.) und Moritz Broschinski (90.+4) . Der zwischenzeitliche Anschlusstreffer des Ex-Cottbuser Benjamin Förster (65.) brachte den FCE zwar noch einmal gehörig ins Schlingern. Doch letztlich durfte das neue Team erstmals vor der Nordwand feiern. Tobias Hasse freute sich: „Wir haben es allen gezeigt, dass wir auch mit diesem Kader unsere Spiele gewinnen können.“

Doch um diesen Kader gibt es weiter Wirbel. Nach der Pressekonferenz sagte Wollitz am Samstag auf RUNDSCHAU-Nachfrage: „Ich möchte diese Erwartungen gern erfüllen. Aber ich sehe, dass ich sie sportlich nicht erfüllen kann. Ich kann mit dieser Mannschaft den Auftrag ,Mission Wiederaufstieg‘ nicht erfüllen.“

Der Trainer ist frustriert darüber, dass die Kader-Zusammenstellung weiter stockt. Am Freitag hatte es laut Wollitz drei weitere Absagen von interessanten Spielern gegeben. Er berichtete: „Die Spieler, die wir vor drei Jahren gekriegt haben, die kriegen wir jetzt nicht. Jetzt müssten wir das Doppelte bezahlen.“ Dazu ist der FCE offenbar trotz der bevorstehenden Einnahmen aus dem Pokalspiel gegen Bayern München sowie mehreren weiteren Benefizaktionen nicht in der Lage.

Vor dem Auswärtsspiel bei ­Hertha BSC II am Dienstag ist die personelle Lage bedrohlich: Abwehrchef Robert Müller ist weiter verletzt, nach einem Zusammenprall in der Schlussminute musste am Samstag zudem Torhüter Lennart Moser mit einer großen Platzwunde ins Krankenhaus. Und mit Leon Schneider wechselt eines der größten Talente des Vereins zum 1. FC Köln. Am Dienstag wird Schneider voraussichtlich zum letzten Mal das FCE-Trikot tragen. Energie kassiert rund 200 000 Euro Ablöse. Das Geld ist dem Vernehmen nach wichtig, um eine Lücke im Etat zu stopfen. Trainer Wollitz moniert zwar, dass ihm ein Leistungsträger verloren geht. Doch die Vereinsführung hat sich zum Verkauf entschlossen.

Der Trainer forderte deshalb: „Stand jetzt sollte man so fair und ehrlich sein und die Ziele korrigieren. Für die Wahrheit ist noch nie jemand bestraft worden.“ Die „Mission Wiederaufstieg“ hatte FCE-Präsident Fahle erstmals am 31. Mai nach der gemeinsamen Sitzung von Präsidium und Verwaltungsrat formuliert. Damals gab es allerdings noch nicht mal einen Rumpfkader.

Das Verhältnis zwischen Wollitz und Teilen der Vereinsführung gilt spätestens seit dem Abstieg aus der 3. Liga als angespannt. Wollitz sagte, dass er sich von der Vereinsführung in den vergangenen Wochen mehr öffentliche Unterstützung gewünscht hätte – und zuletzt eben die Korrektur des Saisonziels: „Ich habe jeden Tag darauf gewartet, dass es mal jemand öffentlich sagt.“ Er betonte: „Wenn ein Trainer so leidet, dann muss man diesen Trainer auch mal öffentlich unterstützen.“

Zur Beschädigung des Vertrauensverhältnisses hat nach Darstellung von Wollitz auch geführt, dass ihm der Verein in der Sommerpause den üblichen Urlaub mit dem Hinweis verwehrt habe, er müsse erst die neue Mannschaft zusammenstellen. Er verdeutlichte: „Ich durfte nicht eine einzige Woche wegfahren. In der Vergangenheit habe ich mit dem damaligen Geschäftsführer Normen Kothe vereinbart, dass ich zehn Tage weg kann und alles im Urlaub koordiniere, um auch mal abschalten zu können.“

Der Trainer wirkt nun enttäuscht und erschöpft. Die RUNDSCHAU hat deshalb bei Wollitz noch einmal nachgehakt, wie er seine Aussagen in Richtung Vereinsführung gemeint hat. Er erklärte: „Um es ganz klar zu sagen: Ich will damit nicht meinen Rauswurf provozieren. Ich will für Realismus werben. Weil ich glaube, dass Realismus dem Verein gut tun würde. Weg von Wunschdenken, weil daran auch die Spieler kaputtgehen.“