Es dürfte heiß werden bei  Energie Cottbus – sehr heiß sogar. Und damit sind nicht nur die Wetterprognosen für Freitagabend gemeint. Wegen der zu erwartenden Hitze hat der Verein die anstehende Mitgliederversammlung (17.30 Uhr) aus der Turnhalle auf die Westtribüne des Stadions verlegt. Dort steht dem Verein dann womöglich sogar eine Zerreißprobe, mindestens aber eine hitzige Debatte bevor.

Siedepunkt ist dieses Mal wohl nicht die Veröffentlichung der ­Geschäftszahlen des Jahres 2018 – Präsident Werner Fahle hatte schon im Februar berichtet, dass der FCE jenes Geschäftsjahr mit einem Minus abgeschlossen habe. Es steht also nur die Frage, wie groß die finanziellen Sorgen tatsächlich sind.

Wahlen zum Verwaltungsrat richtunsgweisend für Energie Cottbus

Richtungsweisend dürften am Freitag die Wahlen zum Verwaltungsrat sein. Vier der fünf Stellen sind vakant – einzig Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger wurde erst 2016 bestätigt und hat noch ein Jahr Amtszeit vor sich. Für die restlichen vier Plätze gibt es nun aber mindestens neun Kandidaten.

Brisant: Der Verein hat über den Ehrenrat mit dem derzeitigen Verwaltungsratsvorsitzenden Matthias Auth sowie den weiteren aktuellen Mitgliedern Matthias Plass, Matthias Rudolf und Frank Szymanski altbekannte Gesichter als erneute Wunschkandidaten vorgeschlagen. Fristgerecht haben allerdings auch Mathias Jäckel, André Roßeck, Helmut Rauer, Ralf Henkler und Bernd Ospalek ihre Kandidatur eingereicht.

Wahlliste unter den Energiefans

Unter den Fans werden diese Namen diskutiert, inzwischen wird sogar eine Art Wahlliste herumgereicht. In den gängigen Internetforen wird viel Werbung für die gemeinschaftliche Wahl von Jäckel, Rauer und Roßeck sowie dem Vereinskandidaten Rudolf gemacht. In einem Schreiben, das unter anderem von der größten Fangruppierung Ultima Raka verbreitet wird, werden die aktuellen Verwaltungsratsmitglieder hart kritisiert: „Die Gründe für das zeitweise eklatante Versagen des Verwaltungsrates in den vergangenen Jahren sind äußerst vielseitig und komplex. Ob mangelndes Engagement, fehlende Fachkenntnisse, sportliche Kompetenz, mangelhafte Fannähe oder die Pflege von Kontakten zu unseren Sponsoren“, heißt es dort. Das Fazit lautet: „Es steht fest, dass der Verwaltungsrat in seiner bisherigen Konstellation in vielen Aufsichts- und Kontrollfunktionen versagt hat.“

Der Wahlaufruf ist zudem mit dem Hinweis versehen: „Noch nie in der Geschichte unseres Vereins hatten Mitglieder eine so große Chance, die Geschicke des FC Energie mitzubestimmen.“ Tatsächlich kann die Zusammensetzung des Verwaltungsrates entscheidend sein. Seit einer Satzungsänderung im Jahr 2005 bestimmt nicht mehr die Mitgliederversammlung sondern dieses Gremium die Zusammensetzung des Präsidiums und hat damit großen Einfluss.

Szymanski bei vielen Energiefans unbeliebt

Kommt es nun also zum Machtkampf? Fakt ist, dass die Fans bereits im Oktober 2018 gegen Frank Szymanski (SPD) als Verwaltungsratsmitglied mit einem großen Spruchband auf der Nordwand protestiert hatten. Der einstige Oberbürgermeister der Stadt Cottbus war vom Verwaltungsrat als Ersatz für den ausgeschiedenen Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) kooptiert worden und muss nun von der Mitgliederversammlung bestätigt werden.

Seine Erfolgschancen sind genauso ungewiss wie jene der im Internet kursierenden Wahlliste. Die wird sehr kontrovers diskutiert. Während Mathias Jäckel vom Trikotsponsor Karton.eu gegenüber der RUNDSCHAU betont, dass er von einer derartigen Allianz nichts wisse, gibt es vor allem Diskussionen um Helmut Rauer, den Geschäftsführer der Immobilienfirma Bautec. Im Fanaufruf wird betont, dass Rauer „seit nun fast 30 Jahren mit seinem Sponsoring unterstützt und maßgeblichen Anteil an den Erfolgen der späten 90er Jahren hatte“.

Streit um Rauers Stasi-Vergangenheit

Doch Rauers Vergangenheit als hauptamtlicher Stasi-Offizier ist vielen ein Dorn im Auge. Im vergangenen Jahr hatte es dazu im Cottbuser Stadtparlament heftige Diskussionen gegeben, als Rauer als sachkundiger Einwohner für den Bau- und Wirtschaftsausschuss vorgeschlagen wurde. Entgegen aller Gepflogenheiten musste dann auf Antrag eines Abgeordneten nicht über die komplette Liste sondern über jeden Namen einzeln abgestimmt werden.

Auch am Freitag wird über jeden Kandidaten einzeln abgestimmt, die vier Bewerber mit den meisten Stimmen bilden gemeinsam mit Landrat Altekrüger den neuen Verwaltungsrat. Allerdings muss es nicht bei den neun Kandidaten bleiben. Auch am Freitag können sich laut Verein noch weitere Bewerber melden – sie benötigen für ihre Kandidatur dann allerdings eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Versammlung.

Ex-Präsident Michael Wahlich kandidiert nicht

Der bei den Fans immer noch  beliebte Ex-Präsident Michael Wahlich hatte bei seinem Abschied im Dezember angekündigt, über eine Kandidatur nachzudenken. Doch am Mittwoch erklärte er auf RUNDSCHAU-Nachfrage, dass er „keine Basis für eine solide Vereinsarbeit“ sehe und „unter den jetzigen Umständen“ nicht zur Verfügung stehe. Ein weiteres Indiz dafür, wie kompliziert die Lage beim FCE derzeit ist.

Und wie sieht es sportlich aus? Energie hat am Mittwoch den ersten Neuzugang präsentiert

Und was läuft da mit Mattuschka?

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