Kevin Rauhut hat am Donnerstagvormittag auf dem Trainingsplatz gezeigt, dass er gleich mehrere Dinge gleichzeitig machen kann. Nach einem Rückpass den Ball mit dem Fuß weiterleiten, dabei Beifall klatschen und außerdem noch seine Mitspieler lautstark anfeuern. Drei Dinge auf einmal – das ist ziemlich beachtlich. Und für uns Männer ja sowieso. Für nicht wenige Trainingskiebitze bei Energie Cottbus – übrigens ausschließlich Männer – war spätestens am Donnerstagvormittag der Wechsel im FCE-Tor für das Heimspiel gegen 1860 München ausgemachte Sache.

Zumal Avdo Spahic wegen muskulärer Probleme den Trainingsplatz kurz nach dem Aufwärmen schon wieder verließ. Spahic hat bislang alle 23 Saisonspiele in der 3. Fußball-Liga bestritten. Am Samstag bei der 0:3-Auswärtsniederlage gegen den SV Meppen patzte der erst 21-jährige Keeper vor dem ersten Gegentor, als er in der Luft dem Ball nicht couragiert entgegen ging.

Ganz so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint, ist die Sache mit dem Torwartwechsel aber nicht. Und beschlossen ist sie laut Wollitz schon mal gar nicht, denn: „Ich gehe davon aus, dass Avdo und auch wir alles dafür tun, damit er am Samstag spielen kann.“

Zwei Tage vor dem Heimspiel gegen 1860 München (14 Uhr) stärkte Wollitz dem jungen Keeper den Rücken. Weil Spahic in der Vergangenheit auch „viele gute Sachen“ gemacht habe. Zum Beispiel stieg Energie mit dem gebürtigen Bosnier in die 3. Liga auf. Trotz seiner erst 21 Jahre hat er schon 80 Spiele im Profibereich absolviert. Wollitz stärkte seinem jungen Torhüter aber auch deshalb den Rücken, weil Spahic spätestens seit seinem Patzer in Meppen von den  Fans zunehmend kritisch beäugt wird. Nicht wenige Anhänger wünschen sich angesichts der komplizierten sportlichen Lage des Aufsteigers eine Chance für den extrovertierteren Kevin Rauhut. Energie liegt auf dem 18. Tabellenplatz, also einem Abstiegsplatz.

Wenn Spahic am Samstag gegen die Löwen spielen kann, dann werde er auch spielen, versichert Wollitz: „Nur wegen einer einzigen Situation können wir doch einen 21-jährigen Torhüter nicht rausnehmen. Ein einziger Fehler sollte nicht dazu führen, gleich einen Torwartwechsel vorzunehmen.“

Trotzdem wäre es keine Über­raschung, wenn Kevin Rauhut (29) am Samstag sein erstes Dritt­liga-Spiel für Energie bestreitet. Seit dem Wechsel in die Lausitz im Januar 2018 kam er zwar erst vier Mal im Landespokal und drei Mal in der Regionalliga zum Einsatz, genießt als Motivator von der Ersatzbank aus aber ein hohes Ansehen. In der Vorwoche wurde Rauhut in den neuen Mannschaftsrat gewählt. „Er ist ein sehr erfahrener und professioneller Torwart“, betont Wollitz. Seine Rolle als Herausforderer von Spahic hat Rauhut ein Jahr lang überaus kollegial ausgefüllt. Am Samstag könnte er seine Einsatzchance bekommen.

RUNDSCHAU-Schnellcheck der Pressekonferenz Einsatz von Spahic gegen München fraglich

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