Lange-Unterhosen-Wetter im Hachinger Sportpark: Wenn Energie Cottbus am Mittwochabend zum Nachholspiel bei der Spielvereinigung Unterhaching (19 Uhr/RUNDSCHAU-Liveticker) antritt, dann sind Temperaturen knapp über dem Nullpunkt prognostiziert. Es wird also frostig, wenngleich für den FC Energie die heiße Phase im Drittliga-Abstiegskampf weitergeht.

Kalt oder heiß? Einen Energie-­Profi dürften diese Temperaturschwankungen kaum anheben: ­Jürgen Gjasula. Trainer Claus-Dieter Wollitz nennt den neuen FCE-Spielmacher „unseren Kühlschrank“.

Tatsächlich wirkt der 33-Jährige auf dem Rasen kalt bis ins Herz. Jede noch so bedrohliche Situation versucht Gjasula spielerisch zu lösen, am liebsten mit einem Kurzpass. Befreiungsschläge? In seinen bisher sieben Spielen für Energie waren die von Gjasula nicht zu sehen.

Mit Ballsicherheit und Überblick eröffnet der Albaner dem FCE ganz neue Möglichkeiten. Das Aufbauspiel läuft nahezu ausnahmslos über den ehemaligen Champions-League-Teilnehmer. Es scheint fast so, als habe Gjasula einen Magneten im Fuß: Fast alle Cottbuser Bälle landen bei ihm. Zuletzt gegen Karlsruhe kurbelte der 33-Jährige ­einen ziemlichen Kurzpass-Wirbel an. KSC-Trainer Alois Schwartz konstatierte: „Cottbus hat mit Gjasula eine sehr hohe Qualität.“

Dass es trotz der dominanten Spielweise eine Niederlage gab, nahm Gjasula mit der ihm eigenen Coolness hin: „Natürlich hätten wir gern gewonnen. Aber die Spielanlage hat gestimmt – die Mannschaft hat weiter Selbstvertrauen getankt.“

Das soll sich nun in Unterhaching auszahlen. Die Partie ist für die Lausitzer so etwas wie ein Zusatzjoker: Mit einem Auswärtssieg könnte Energie erstmals seit fünf Wochen wieder auf einen Nichtabstiegsplatz rücken. Der Spielmacher ist zuversichtlich: „Wir haben gegen Halle gezeigt, dass wir gegen eine Topmannschaft auswärts gewinnen können.“

Dabei ist Gjasula längst nicht nur kühl, sondern kann auch heiß­blütig sein. Das musste sein Mittelfeldpartner Daniel Bohl schon leidlich erfahren, als er vor dem zweiten Gegentor in Halle eine unglückliche Figur abgab. Die Ansage von Gjasula danach hatte es in sich. Der 33-Jährige ist längst Führungsfigur beim FCE,  für Trainer Wollitz hat sich die Verpflichtung jetzt schon gelohnt. Er betont: „Gjasula ist bisher immer auch einer der laufstärksten ­Spieler gewesen.“

Der in Freiburg aufgewachsene Profi war im Winter vom Viertligisten Viktoria Berlin gekommen. Es erübrigt sich zu erwähnen, dass Wollitz in den Vertragsverhand­lungen dem Vernehmen nach auch die langen Unterhosen anziehen musste, um nicht zu erfrieren. ­Dabei hat Wollitz aber eine sehr wichtige Klausel für Energie Cottbus ausgehandelt: Im Fall des Klassenerhalts verlängern sich Gjasulas Arbeits­papiere automatisch. Und der 33-Jährige ist einem längeren Aufenthalt in der Lausitz nicht abgeneigt. Er sagte gegenüber der RUNDSCHAU: „Ich fühle mich wohl in der Mannschaft. Ich glaube, ich werde von den Jungs akzeptiert.“