Da war die Fußballwelt in der Lausitz noch in bester Ordnung: Als der 21-jährige Robert Müller am 26. Juli 2008 als Innenverteidiger bei Carl Zeiss Jena gegen Jahn Regensburg sein allererstes Spiel in der neu geschaffenen 3. Fußball-Liga bestritt, hatte man in Cottbus anderes im Sinn: Die Mannschaft von Trainer Bojan Prasnikar bereitete sich gerade im Trainingslager am Tegernsee auf den ersten Spieltag in der 1. Fußball-Bundesliga vor. Der Auftaktgegner: ein Aufsteiger aus einem Fußballdorf namens Hoffenheim.

Und die 3. Liga? Die war für die Lausitz so weit entfernt wie der Tegernsee vom Spreewald – mindestens. Kaum jemand bei Energie nahm großartig Notiz davon, dass nach langen Diskussionen nun diese neue Spielklasse unterhalb der 2. Bundesliga eingeführt wurde. Allenfalls wurde bei den Rot-Weißen mal kurz darüber nachgedacht, welche Möglichkeiten diese 3. Fußball-Liga denn für die zweite Mannschaft des FCE bieten könnte. Schließlich hatte die als Regionalligist die Qualifikation für die neue Liga nur um neun Punkte verpasst.

Inzwischen wissen wir: So weit ist es dann doch nicht bis zum Tegernsee, innerhalb von sieben Jahren stürzte der FCE sogar bis in die Viertklassigkeit ab. Und dass die Cottbuser am Samstag bei der Partie gegen 1860 München im Stadion der Freundschaft ihr 100. Drittliga-Spiel bestreiten, darf mittlerweile fast schon als Erfolg gelten. Angesichts der bedrohlichen Tabellensituation im Abstiegskampf wünscht man sich in der Lausitz sehnlichst, dass in naher Zukunft noch mehr als die dann nur noch ausstehenden 14 weiteren Partien dieser Saison dazukommen.

Robert Müller, inzwischen 32 Jahre alt, feiert indes am Samstag ein noch größeres Jubiläum. Wenn alles glatt läuft, wird er sein 300. Spiel in der 3. Liga absolvieren – er gehört damit zu den Urgesteinen in dieser Spielklasse. Nur drei weitere Spieler haben diese Marke bereits geknackt (siehe Infobox).

Müller erklärte gegenüber DFB.de: „Es ist schon etwas Besonderes, zu diesem doch kleinen Kreis dazuzugehören. Das Trikot aus dem Spiel gegen den TSV 1860 München wird sicher auch einen Ehrenplatz bekommen. Ich weiß nicht, ob mit meinen 32 Jahren noch ein weiteres Jubiläum dazukommen wird.“

Bemerkenswert: Mit seinen Clubs Jena, Kiel, Rostock, Wehen Wiesbaden, Aalen und Uerdingen hat Robert Müller zehn von elf möglichen Spielzeiten in der 3. Liga verbracht. Allein der Ausflug mit Hansa Rostock in die 2. Bundesliga in der Saison 2011/12 durchbrach diese Serie. Der gebürtige Schweriner hat also miterlebt, wie sich die 3. Fußball-Liga entwickelt hat. Sein Fazit: „Die 3. Liga hat jedes Jahr einen Schritt nach vorne gemacht. Am meisten hat sich die mediale Präsenz verändert. Die Spielklasse bekommt eine deutlich höhere Aufmerksamkeit. Auch das sportliche Niveau hat zugenommen“, so Müller. Der Abwehrspieler fügt jedoch an: „Besonders gefragt sind aber nach wie vor Tugenden wie kämpferischer Einsatz und Laufstärke.“

Auf die wird es auch am Samstag im Heimspiel gegen die „Sechzger“ ankommen. Denn nach drei Niederlagen in Folge haben die in diesem Fußballjahr noch punktlosen Cottbuser andere Sachen im Sinn, als das doppelte Jubiläum zu feiern. Das sagt auch Robert Müller, der betont: „Letztlich ist die 300 aber auch nur eine Zahl.“

Wichtiger als die Jubiläums-Nullen bei Müller und dem FCE ist deshalb, dass die Cottbuser Abwehr gegen 1860 hinten mal wieder die Null hält. „Dafür müssen wir hart arbeiten“, erklärte Müller, der Heimsieg sei enorm wichtig.

Wenn der gelingt, könnten die Lausitzer zumindest ein kleines Jubiläum feiern. Es wäre der 30. Drittliga-Erfolg für Energie – und die Fußballwelt zumindest am Samstag in Cottbus wieder in Ordnung.