Bei Energie Cottbus steht am Freitag die jährliche Mitgliederversammlung an. Wie in den vergangenen Jahren verspricht die Veranstaltung auch dieses Mal viel Spannung. Im Blickpunkt stehen dabei zwei Entscheidungen. So müssen zwei neue Mitglieder für den Verwaltungsrat gefunden werden.
Außerdem hat die Vereinsführung angekündigt, die Mitglieder erneut zusätzlich zur Kasse beten zu wollen. FCE-Präsident Sebastian Lemke erklärte gegenüber der Rundschau: „Wir werden bei der Mitgliederversammlung einen Antrag auf eine Sonderumlage stellen. Laut Satzung sind wir dazu berechtigt und in meinen Augen sogar dazu verpflichtet, wenn man die Finanzlage des Vereins in Betracht zieht.“

Finanzielle Lage von Energie Cottbus rechtfertigt Sonderzahlung der Fans

In der Vereinssatzung steht: „Zur Beseitigung finanzieller Schwierigkeiten des Vereins kann höchstens einmal jährlich mit Zustimmung der Mitgliederversammlung eine Sonderumlage bis zur Höhe eines zweifachen Mitgliedsbeitrages erhoben werden.“ Diese finanziellen Schwierigkeiten sieht Lemke gegeben.
Nach dem Machtwechsel im vergangenen Dezember hatte die neue Führung um Präsident Lemke und den Verwaltungsratsvorsitzenden René Markgraf davon gesprochen, dass die Finanzlage des Vereins „existenzbedrohend“ sei. Zuletzt verdeutlichte Trainer Claus-Dieter Wollitz: „Der Präsident hat uns noch einmal berichtet: Im Februar hieß es, es sei zu Ende. Maximal noch Abstiegskampf Regionalliga.

Ehemalige Vereinsführung von Energie Cottbus steht unter Kritik

Inzwischen sind die Cottbuser nach großen Kraftanstrengungen wieder etwas besser in der Spur, Präsident Lemke berichtete von einem großen Rückhalt der Sponsoren in der Region. Und dennoch muss ein Loch in der FCE-Kasse geschlossen werden. „Mit dem Geld müssen wir die Lücke füllen, die durch die Modernisierung des Nachwuchsleistungszentrums im Südstadion entstanden ist. Dem vorherigen Präsidium war es nicht gelungen, den Etat dafür zu decken. Das lag einerseits an den gestiegenen Baukosten, andererseits aber auch daran, dass von der Vereinsführung gewisse Dinge nicht erbracht worden sind.“
Es ist offenkundig, dass Lemke und seine Mitstreiter die Arbeit der vorherigen Vereinsführung unter Präsident Matthias Auth sehr kritisch sehen. Inwieweit es am Freitag bei der Mitgliederversammlung auch noch offene Kritik gegenüber den Vorgängern geben wird, bleibt abzuwarten.
Der Präsident kündigte an: „Wir werden bei der Mitgliederversammlung einen Rechenschaftsbericht für das Geschäftsjahr 2020 vorlegen, in denen wir noch einmal einiges begradigen wollen. Einige Dinge aus der Vergangenheit können wir so nicht stehen lassen.“

Fast 200 Euro Sonderzahlung könnten auf Energie-Fans zukommen

Wie viel sollen die Mitglieder aber nun erneut zahlen? Die Baukosten für den neuen Sozialtrakt im Nachwuchsleistungszentrum dürften im hohen sechsstelligen Bereich liegen. 2018 hatte der Verein dafür einen Fördermittelbescheid über 385.000 Euro vom Landessportbund Brandenburg (LSB) erhalten. Dazu mussten 175.000 Euro an Eigenmitteln eingeworben werden. Zuvor war bereits der Kunstrasen am Südstadion für etwa 550.000 Euro gebaut worden – ebenfalls mit hohem Fördermittelanteil vom LSB.
Eine Sonderumlage ist nicht neu für die FCE-Mitglieder. Zuletzt hatte es 2017 eine derartige Abstimmung gegeben. Damals stimmten die Mitglieder einer zusätzlichen Zahlung von 33 Euro zu, das war damals die Hälfte des Jahresmitgliedsbeitrags. Der Mitgliedsbeitrag liegt inzwischen bei 96 Euro. Von daher wären rechnerisch 192 Euro als Sonderzahlung denkbar.
Aktuell hat der Verein 3733 Mitglieder, allerdings sind alle unter 18 Jahren sowie aktive Mitglieder von der Sonderumlage befreit. Zudem gibt es Ermäßigungen für Rentner. Präsident Lemke betont allerdings: „Wir wollen vorab keine feste Summe definieren, sondern bei der Mitgliederversammlung offen mit allen Beteiligten darüber diskutieren. Natürlich haben wir ein Ziel, das wir gern erreichen würden. Doch ohne die Zustimmung und vor allem das Verständnis unserer Mitglieder können und werden wir da keine Sonderumlage durchboxen.“

Fans mussten Energie Cottbus schon in Vergangenheit unterstützen

Das könnte nicht nur aufgrund der Temperaturen ein heißer Abend für den FCE werden. Lemke ahnt: „Wir wissen allerdings, dass die Fans und speziell die Mitglieder in der Vergangenheit schon sehr oft zur Kasse gebeten worden sind. Deshalb ist uns bewusst, dass dieser neue Antrag auf eine Sonderumlage kontrovers diskutiert werden wird.“
Tatsächlich haben die Lausitzer Fußballfans in den vergangenen Jahren bereits einiges in den FCE investiert. Unter anderem waren 2019 Tickets für ein fiktives Heimspiel oder 2020 Corona-Antikörper verkauft worden. Zudem hatte der Verein die Inhaber der Dauerkarten für die abgebrochene Corona-Saison 2019/20 gebeten, auf die Rückerstattung der Teilbeträge zu verzichten.

Verwaltungsrat von Energie Cottbus soll aufgefüllt werden

Von daher könnte die Debatte um die Sonderumlage heikel werden. Die Stimmung unter den Mitgliedern dürfte angesichts der zurückliegenden Katastrophensaison und dem vorzeitigen Ausscheiden im Landespokal ohnehin nicht allzu gut sein. Präsident Lemke und seine Mitstreiter können allerdings daraufsetzen, dass der Neuanfang unter ihnen bisher breite Zustimmung unter den FCE-Fans erfährt.
Erst im zurückliegenden Oktober waren FCE-Legende Ralf Lempke sowie die beiden Geschäftsleute René Markgraf (IBAR GmbH) und Hagen Ridzkowski (AHC Mercedes Benz Autohaus Cottbus) in den Verwaltungsrat gewählt worden und hatten danach den Verein umgekrempelt. Ridzkowski und Lempke sind inzwischen im Präsidium tätig.
Am Freitag nun soll der Verwaltungsrat, der aktuell aus Markgraf sowie aus Mathias Jäkel (Karton.eu) und Matthias Rudolf (Johanniter) besteht, komplettiert werden. Präsident Lemke erklärt: „Laut Satzung sind wir dazu verpflichtet, einen Verwaltungsrat mit fünf Mitgliedern zu haben. Aktuell sind es nur drei. Deswegen werden wir Kandidaten zu Wahl vorschlagen, die werden in dieser Woche vom Verein bekanntgegeben.“

In eigener Sache

In einer vorherigen Version des Textes stand, dass über die Sonderumlage eine Zusatzeinnahme von mehr als 700.000 rechnerisch möglich sei. Das war ein Fehler für den wir uns entschuldigen.