Bauchschuss oder Handspiel? Darüber debattierten am Samstagabend Spieler und Fans vom Fußball-Oberligisten RSV Eintracht Stahnsdorf noch lange nach dem Spiel in der 2. Runde des Landespokals gegen den FC Energie Cottbus. Der Cottbuser Mannschaftsbus hatte zu diesem Zeitpunkt schon längst die Sportanlage im Landkreis Potsdam-Mittelmark verlassen. Der FCE-Tross hatte nach dem 4:2-Sieg und dem Einzug ins Pokalachtelfinale da womöglich schon das bevorstehende Auswärtsspiel in der Fußball-Regionalliga am Mittwoch beim FC Carl Zeiss Jena im Sinn.
Für den Titelverteidiger war die Pokal-Pflichtaufgabe beim Oberligisten schnell abgehakt – Nicolas Wähling (8./48. Handelfmeter), Niklas Geisler (53.) und Tim Heike (87.) erzielten die Tore für den Favoriten. Stahnsdorf hatte die Partie jedoch mit den Treffern von Ernes Matjaz (15.) und Julian Rauch (72.) die Partie lange spannend gehalten.

Strittiger Elfmeter für Energie Cottbus

Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz konstatierte: „Von uns wurde erwartet, dass wir eine Runde weiterkommen. Das haben wir getan, mehr aber auch nicht.“ Es war kein unverdienter, aber dennoch auch glücklicher Sieg für Energie Cottbus – gerade wegen der Bauchschuss-Szene zu Beginn der zweiten Halbzeit.
Schiedsrichter Maximilian Bauer sah beim Stand vom 1:1 ein Handspiel von Stahnsdorfs Dominik Kruska – auch die Aufnahmen von FCEnergieTV brachten keinen richtigen Aufschluss über diese Szene. RSV-Trainer Patrick Hinze reagierte fassungslos und schimpfte gegen den Referee: „Wie man so ein Spiel mit so einer Entscheidung so killen kann, ist sehr, sehr schade.“
In der ersten Halbzeit hatte seine Mannschaft den FCE vor einige Probleme gestellt. Die frühe Cottbuser Führung durch Wähling (8.) brachte Energie nur wenig Sicherheit, nach dem Ausgleich durch Matjaz (15.) war Stahnsdorf drauf und dran, die Partie zu drehen. „Dann haben wir ein bisschen das Balltempo vermissen lassen und den Gegner, zwei- dreimal vor unser Tor eingeladen“, verdeutlichte FCE-Profi Nicolas Wähling.

Rückkehr von angeschlagenen Spielern

Selbst nach seinem Elfmeter-Tor (48.) und dem schnell folgenden dritten Cottbuser Treffer durch Niklas Geisler (53.) witterte Stahnsdorf noch einmal Morgenluft. Nach dem 2:3 durch Julian Rauch (72.) gab FCE-Coach zu: „Dann weiß man, dass im Pokal eine Sensation möglich ist.“
Seine Mannschaft jedoch konnte eine derartige Überraschung verhindern und nahm trotz der durchwachsenen Leistung weitere Zuversicht für die nächsten Aufgaben mit. Die ist unter anderem mit der Rückkehr der angeschlagenen Spieler Jonas Hildebrandt, Tim Heike und Ali Abu-Alfa zu begründen. Heike traf in inzwischen typischer Joker-Manier zum 4:2-Endstand (87.). Und Abu-Alfa überzeugte 45 Minuten lang mit Laufstärke und guten Offensivaktionen. Dennis Slamar gehörte zwar noch nicht zum Kader, doch auch er ist für das Spiel am Mittwoch einsatzbereit.

Torwartfehler von Elias Bethke

In Sachen Teamgeist dürfte das komplizierte Zweitrunden-Spiel den FCE ebenfalls vorangebracht haben. So hakte die Mannschaft einen kapitalen Schnitzer von Torhüter Elias Bethke schnell ab. Der 19-Jährige hatte beim Abwurf den Stahnsdorfer Julian Rauch nicht gesehen und legte dem Gegenspieler den Ball und damit den 2:3-Anschlusstreffer vor die Füße.
FCE-Kapitän Axel Borgmann wollte das positiv sehen: „Wir haben das Spiel trotzdem gewonnen, von daher hat es etwas Gutes: Er wird es jetzt immer im Kopf haben und ich bin mir ziemlich sicher, dass es dem Jungen in seiner Karriere nicht noch einmal passieren wird.“
Zuvor hatte Borgmann auch schon am Elfmeterpunkt viel für den Teamgeist getan. Eigentlich wäre er der etatmäßige Schütze gewesen. Doch er überließ den Bauchschuss-Elfer dem Youngster Nicolas Wähling. „Ich weiß, dass für die Offensivspieler die Statistik wichtig ist und mit jedem Tor das Selbstvertrauen steigt“, begründete Borgmann seine uneigennützige Entscheidung.

Lob für Doppel-Torschütze Nicolas Wähling

Mitspieler Tobias Hasse lobte den Doppel-Torschützen Wähling: „Er arbeitet hart im Training und hatte es bestimmt am Anfang auch nicht leicht.“ Er fügte an: „Das muss man allen Neuzugängen sagen, dass sie sich immer mehr reinarbeiten und wir besonders in der Offensive immer mehr das Verständnis füreinander entwickeln.“
Das wird am Mittwochabend im Ernst-Abbe-Sportfeld von Jena noch wichtiger werden. Trainer Wollitz kündigte mit gestärkter Zuversicht an: „Ich bin mir sicher, dass wir eine Topleistung bringen werden.“
RSV Eintracht Stahnsdorf– Energie Cottbus 2:4 (1:1)
RSV Eintracht Stahnsdorf: Habel – Markula (87. Stefanovic), Gollos, Schönfuß, Rauch (85. Kahl), Kruska, Buchholz, Matjaz, Mustapha, Dag (64. Cawi), Krüsemann (64. Vogel)
Energie Cottbus: Bethke – Hasse, Eisenhuth (67. Hildebrandt), Böhmert, Borgmann – Geisler (87. Wagner), Hofmann, Oesterhelweg (46. Juckel) – Badu (46. Abu-Alfa), Hottmann (67. Heike), Wähling.
Tore: 0:1 Wähling (8.), 1:1 Matjaz (15.), 1:2 Wähling (48. Handelfmeter), 1:3 Geisler (53.), 2:3 Rauch (72.), 2:4 Heike (87.), Schiedsrichter: Maximilian Bauer (Schulzendorf); Gelbe Karten: Vogel, Kruska / Hasse; Zuschauer: 804

Schwere Verletzung von FCE-Profi Erlbeck

Energie Cottbus muss längere Zeit auf Mittelfeldspieler Niclas Erlbeck verzichten. Beim 29-Jährigen wurde einen Innenbandriss im rechten Knie diagnostiziert Erlbeck war in dieser Saison bisher nur zu einem Kurzeinsatz gekommen.