Das spricht für einen Verbleib von Wollitz: Die Region ist dem FCE-Trainer längst ans Herz gewachsen. Er hat sich stets für die Menschen in der Lausitz stark gemacht, weil er sie oftmals in ein falsches Licht gerückt sieht. Gerade deshalb dürfte es dem 53-jährigen Trainer schwerfallen, sich trotz gültigen Vertrages mit der „größten sportlichen Niederlage“ (Wollitz) zu verabschieden.

Auch in sportlicher Hinsicht trägt er eine große Verantwortung. Denn Wollitz ist Trainer und Sportdirektor in Personalunion. Der Verein hat sämtliche sportliche Planungen in seine Hände gelegt. So mancher Spieler wird deshalb ganz genau schauen, wer künftig auf dem Trainerstuhl sitzt.

Zugute kommen dürfte Wollitz, dass er – anders als beim Abstieg vor drei Jahren – inzwischen die Regionalliga Nordost genau kennt und weiß, auf welche Tugenden und Typen es jetzt ankommt.

Das spricht gegen einen Verbleib von Wollitz: Der Coach macht keinen Hehl daraus, dass ihn die vergangenen drei Jahre viel Kraft gekostet haben. Erst der Neuaufbau und der Kampf um den Aufstieg mit der Relegation als emotionalem Höhepunkt, dann der Abstiegskampf in der 3. Liga – der Druck war stets riesengroß. Es gab praktisch nie Zeit zum Durchatmen.

Zugesetzt haben dem Coach auch die internen Machtkämpfe im Verein mit Ex-Präsident Michael Wahlich auf der einen Seite und der Sparkasse als wichtigstem Geldgeber auf der anderen Seite. Er hat versucht, in diesem Konflikt zu vermitteln, dabei aber viel Kraft gelassen.

Zudem gelten für Wollitz natürlich genau wie für die Spieler die Gesetze des Profifußballs: Jeder will so hoch wie möglich spielen beziehungsweise trainieren. Die Frage wird also sein, ob es noch andere Alternativen auf dem Trainermarkt für Wollitz gibt.

Das sagt Wollitz über seine Zukunft: „Es ist vor allem Leere da. Aber ich habe immer noch viele Ideen und Kreativität sowie Kraft in mir. Aber ich brauche auch eine Mannschaft, um gewisse Dinge umsetzen zu können. Der Profifußball kostet Geld. Das muss man ganz ehrlich sagen. Grundsätzlich habe ich einen Vertrag. Und grundsätzlich möchte ich diesen Vertrag auch erfüllen. Aber man muss mir die Möglichkeit geben, eine Mannschaft zusammenzustellen, die in den Top Drei mitspielen kann.“

Wollitz, der nach dem 1:1-Remis bei Eintracht Braunschweig und dem damit verbunden Abstieg am Samstag sehr gefasst wirkte, macht seinen Verbleib also in erster Linie von der sportlichen Perspektive abhängig. „Vor drei Jahren hat man eine Aufbruchstimmung erzeugt. Viele Fans sind Vereinsmitglied geworden. Wir hatten eine fantastische Unterstützung. Ich kann nicht abschätzen, ob man in der Region noch einmal eine solche Aufbruchstimmung erzeugen kann“, erklärt er.

Die RUNDSCHAU-Prognose: Wenn der Verein es hinbekommt, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, dann wird Wollitz mit dem ihm ­eigenen Ehrgeiz die ­Mission ­Wiederaufstieg angehen.

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