Von Jan Lehmann

Frank Eulberg macht gar keine großen Umschweife und sagt: „Das ist für mich eines der bedeutendsten, emotionalsten Spiele, die ich in meiner Karriere erleben werde.“ Der Co-Trainer von Claus-Dieter Wollitz fiebert dem Abstiegsendspiel von Energie Cottbus bei Eintracht Braunschweig entgegen.

Das ist sein Heimatclub, dort stand er bereits als Junge in der Kurve und hat den Blau-Gelben einst in der Fußball-Bundesliga zugejubelt. Eulberg, der in Salzgitter zur Welt kam und im benachbarten Braunschweig zu Schule gegangen ist, sagt: „Ich bin in der Region groß geworden, das war mein Verein. Ich sehe es noch vor mir: Das Stadion, die Spiele – das war eine tolle Zeit.“ Eulberg hat nachgerechnet und kommt auf eine unglaubliche Zahl: „Ich habe etwa 500 Spiele dort live im Stadion erlebt – als Kind angefangen, dann als Jugendlicher und später als Spielbeobachter.“

Spiele beobachtet er noch immer. Besonders den fußballerischen Norden hat Eulberg wegen seiner Herkunft fest im Blick. Die RUNDSCHAU titelte deshalb über ihn auch schon „Nord ist sein Hobby“.

In Braunschweig ist er weiterhin und hat den Gegner vom Samstag auch diese Saison schon gesehen. Der Co-Trainer, der mit seiner Frau in Wolfsburg lebt, ist für Energie ein wichtiger Faktor für den Kampf um den Klassenerhalt in der 3. Liga. Trainer Wollitz setzt auf dessen taktische Empfehlungen aus den Spiel­analysen. Das ist auch in der Vorbereitung für Samstag so. Eulberg sagt: „Wir müssen versuchen, ruhig zu bleiben.“

Doch kann er selbst ruhig bleiben? Frank Eulberg steht schließlich eine absolute Premiere bevor. Der Fußballlehrer, der im Iran, in Südafrika und sogar schon in Bielefeld als Trainer gearbeitet hat, saß in seinen 19 Jahren im Profi-Fußball in fast allen großen Stadien dieser Republik schon auf der Trainerbank – nur in Braunschweig noch nicht. „Die Mannschaften, bei denen ich gearbeitet habe, haben immer in anderen Ligen als die Eintracht gespielt.“

Nun gibt es für ihn das erste Mal, ausgerechnet am so entscheidenden letzten Spieltag. Frank Eulberg schüttelt den Kopf: „Es ist unglaublich, aber diese verrückten Geschichten schreibt tatsächlich nur der Fußball.“

Der 56-Jährige hat auch schon eine gute Idee, wie diese Geschichte ausgehen könnte: „Ich wünsche mir natürlich, dass wir beide in der Liga bleiben. Aber eins ist klar: Wir wollen natürlich das selbst in die Hand nehmen und das Spiel dort gewinnen.“