Von Steven Wiesner

Der FC Energie Cottbus reitet in der Regionalliga Nordost weiter auf der Erfolgswelle. Im siebten Ligaspiel hintereinander blieb die Mannschaft von Trainer Claus-Dieter Wollitz nun schon unbesiegt. Auch der Derby-Rivale vom SV Babelsberg wurde nicht zum Stolperstein am Sonntagnachmittag vor 4823 Zuschauern im Karl-Liebknecht-Stadion. Durch das Tor von Moritz Broschinski (45.) holte Energie den achten Saisonsieg und baute sein Punktekonto auf 26 Zähler aus. „Nach 13 Spielen 26 Punkte zu haben, das ist á la Bonheur mit unserer Vorgeschichte“, sagte Wollitz nach der Partie. „Da ziehe ich den Hut vor meiner Mannschaft. Aber: Wenn wir den großen Wurf schaffen wollen, müssen wir besser werden.“

Auch das hat die Partie gezeigt. Gerade in der Anfangsphase hat der nach wie vor sieglose Tabellenvorletzte die Lausitzer vor einige Probleme stellen können. Schon nach 60 Sekunden rollte der erste Angriff auf das Cottbuser Tor zu. Tobias Dombrowa marschierte nach einem Konter in den Strafraum, nahm Marcel Hoppe mit einer Finte aus der Gleichung und scheiterte nur knapp an Toni Stahl, der wie besprochen den Vorzug vor Lennart Moser erhielt und Energie vor einem Gruselstart bewahrte. „Wir haben bis zur 15. Minute gebraucht. Viele von unseren Jungs haben zuvor noch kein Derby unter dieser Kulisse gespielt“, sagte Wollitz. Die Filmstädter dagegen spielten weitaus besser und mutiger als es der Tabellenstand hätte vermuten ­lassen können. „In dieser Situation, in der wir stecken, mit null Selbstvertrauen, haben wir eines unserer besseren Spiele gezeigt“, lobte Trainer Marco Vorbeck sein Team, das zuvor erst ein Heimspiel verloren hatte.

Nachdem Energie die Anfangsphase unbeschadet überstanden hatte, erlangte die Wollitz-Elf aber mehr und mehr die Kontrolle über das Geschehen. Allen voran Niclas Erlbeck war im Zentrum sehr präsent, und auch Jan Koch und Robert Müller verloren hernach kaum noch einen Zweikampf. „Wir hatten zu Beginn ein paar Wackler drin, sind dann aber besser reingekommen und haben zu einem psychologisch wichtigen Zeitpunkt das Tor gemacht“, analysierte Innenverteidiger Koch. Nach einem hübsch vorgetragenen Konter über Erlbeck, Felix Brügmann und Berkan Taz wurde Dimitar Rangelov auf die Reise geschickt. Der Kapitän legte quer auf Brügmann, der mit seinem Versuch noch an SVB-Schlussmann Marco Flügel scheiterte. Moritz Broschinski drückte den Nachschuss aber mit ganzer Entschlossenheit über die Linie und genoss den Moment direkt vor dem Cottbuser Fanblock. Danach schickte Schiedsrichter Steven Greif die beiden Teams sofort in die Halbzeit.

„Das Tor kurz vor der Halbzeit hat uns etwas das Genick gebrochen“, gestand der auffällige Babelsberg-Stürmer und Ex-Cottbuser Tom Nattermann. „In der ersten Halbzeit hatte ich das Gefühl, dass wir besser waren. Nach der Führung war es dann verdient für Cottbus.“

Energie hatte nach einer Stunde allerdings Glück bei einem Lattentreffer der 03er. Und in der Nachspielzeit parierte Flügel noch einen Foulelfmeter von Berkan Taz (91.). Trotzdem brachte Cottbus den Sieg über die Zeit, auch weil der tadellose Toni Stahl alles, was Ausgleichspotenzial hatte, entschärfte. „Dass du hier 1:0 gewinnst in einer Schlacht am Ende, wo die ganze Mannschaft fightet und das Tor verteidigt, gehört dann auch mal dazu“, freute sich Erlbeck.

Für den Mittfeldfeldspieler war es der erste Derby-Sieg gegen Babelsberg, für Energie Cottbus dagegen schon der vierte in Serie – und der dritte hintereinander im Potsdamer „Karli“. Zum dritten Mal im Übrigen mit dem gleichen Ergebnis. Schon das bis dato letzte Aufeinandertreffen in der Liga im April 2018 sowie das Landespokalfinale einen Monat später hatte Energie hier mit 1:0 für sich entschieden. Ein ganz besonderer Hattrick für den FCE. Vor allem für die Fans. „Derbys verliert man nicht gerne“, hatte Wollitz vor der Partie gesagt. „Das kommt bei den Fans nicht gut an.“ Erneut haben er und sein Team dem Anhang damit Grund zum Jubeln gegeben.

Energie Cottbus ist aber nicht nur der Sieger dieses Derbys – sondern des gesamten Spieltages. Denn Platz eins ist nur noch drei Punkte entfernt, da die Konkurrenten Hertha BSC II (2:2 in Halberstadt) und VSG Altglienicke (1:2 in Lichtenberg) tags zuvor Federn gelassen hatten. „Jeder kann die Tabelle lesen“, sagte Niclas Erlbeck. „Es fühlt sich super an. Wir tun aber gut daran, uns Woche für Woche auf unsere Leistung zu konzentrieren. Dann kommen auch die Ergebnisse.“