Es war ein Experiment. Ein Experiment, das durchaus gut gemeint war und außerdem einen rot-weißen Charme hatte. Vor knapp zwei Jahren, im April 2014, holte Energie Cottbus mit Roland Benschneider einen seiner ehemaligen Nachwuchsspieler zurück in die Lausitz und machte ihn zum neuen Sportdirektor. Der gebürtige Neuruppiner ist zudem Absolvent der Lausitzer Sportschule. Von 1998 bis 2000 hat er dort gelernt.

Es war aber gleichzeitig auch ein mutiges Experiment. Denn Benschneider, der bislang nur beim SV Elversberg in einem vergleichbaren Job tätig war, hatte als Lehrling eine komplizierte Aufgabe zu erledigen: Er musste nach dem Abstieg aus der 2. Liga gemeinsam mit dem damals ebenfalls neuen Cheftrainer Stefan Krämer eine Mannschaft aus dem Boden stampfen.

Zwei Jahre später hat Energie Cottbus das Experiment mit Roland Benschneider nun für gescheitert erklärt - und zwar mit deutlichen Worten, die keinen Spielraum für Interpretationen zulassen: Der Lehrling ist an seiner Aufgabe gescheitert! Der im Sommer auslaufende Vertrag des 35 Jahre alten Sportdirektors werde nicht verlängert, teilte der Club am Dienstag mit und be endete damit auch die Spekulationen über die Zukunft von Benschneider. Der Sportdirektor sei von seinen Aufgaben entbunden, heißt es unmissverständlich.

Das Zeugnis, welches Energie-Präsident Wolfgang Neubert seinem früheren Sportschüler erteilt, fällt alles andere als gut aus. "Wir haben ihm die nötige Zeit, Rückendeckung und Möglichkeiten der Entfaltung gegeben", sagt Neubert über Benschneider. "Wir müssen jedoch konstatieren: Mit den eingesetzten Mitteln von fast vier Millionen Euro in die aktuelle Mannschaft sind wir im oberen Drittel der Liga angesiedelt, das spiegelt sich in der Tabelle leider ganz und gar nicht wider."

Die anhaltende sportliche Talfahrt in der 3. Fußball-Liga hat Benschneider letztlich den Job gekostet. Energie ist nach den beiden Niederlagen gegen die Stuttgarter Kickers (1:2) und beim VfR Aalen (0:3) auf Rang 17 abgerutscht. Der Abstand zur Abstiegszone beträgt nur noch einen einzigen Punkt. In diesem Jahr hat das Team erst zwei Unentschieden geholt. Und am Samstag wartet mit dem Derby gegen Hansa Rostock (Stadion der Freundschaft, 14 Uhr) bereits das nächste Schicksalsspiel auf den taumelnden Club.

Dabei legte Benschneider zunächst einen guten Start hin. Beinahe in Rekordzeit stellte er im Sommer 2014 gemeinsam mit Krämer ein konkurrenzfähiges Team zusammen, das nach der Hinrunde sogar auf Relegationsrang drei lag. Seitdem zeigt die Kurve jedoch nach unten. Im September 2015 musste Krämer gehen. Am Dienstag hat es also auch Benschneider erwischt.

"Mangelnde Akzente in der aktuell bedrohlichen Situation sowie unterschiedliche Auffassungen bei der Kaderzusammenstellung, -planung und Personalführung haben zu diesem Schritt geführt", begründet der Club die Trennung von Benschneider.

Die Beurlaubung des Sportdirektors ist nach dem Trainerwechsel die nächste Notbremse, die Energie im Kampf um den Klassenerhalt zieht. Während Benschneider die schmerzhafte Quittung für seine Arbeit bekam, stellte sich der Verein noch einmal klar hinter Miriuta. Erst unter dem neuen Coach seien "die nötigen Korrekturen nach ausschließlich leistungsbezogenen Kriterien vorgenommen worden", heißt es in der Pressemitteilung ein wenig kryptisch.

Es muss also einiges schief gelaufen sein. Miriuta und der neue Teammanager Ralf Lempke sollen das Ruder jetzt gemeinsam rumreißen. Auch diese Aufgabe ist kompliziert. Nach 13 Spielen ohne Niederlage sackte das Team zuletzt förmlich in sich zusammen. Mit 23 Toren in 25 Spielen ist Energie das harmloseste Team der Liga. Der Club befindet sich im wohl wichtigsten Abstiegskampf seiner Geschichte. Zeit für Experimente hat er nicht mehr.

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