"Zwar passt das heutige Wetter zur augenblicklichen Stimmung rund um den Cottbuser Fußball. Aber das soll sich ändern, am besten schon am Samstag beim Spiel gegen Rostock", damit traf Gabi Grube als Moderatorin des ersten Theatertreffs im Jahr 2016 gleich zu Beginn den berühmten Nagel auf den Kopf. Bei den lockeren Gesprächen mit Opernsänger Christian Henneberg und den Energie-Kickern Sven Michel und Torsten Mattuschka stellten alle Beteiligten fest, dass sich beide Betätigungsfelder sehr ähneln. Das intensive Training und die vielen Proben, die den Spielen oder Vorstellungen vorausgehen, wurden da ebenso beleuchtet, wie der Wunsch beider Lager, das jeweilige Publikum stets zu begeistern. Natürlich wurde während der Gespräche um die ernste Lage des Drittligisten kein Bogen gemacht, "Aber das böse Wort mit ‚Ab' vorne und ‚stieg' wird hier und heute absolut vermieden", ordnete Gabi Grube in ihrer charmanten Gesprächsführung an.

Torsten Mattuschka gab fast kleinlaut zu, noch nie im Theater gewesen zu sein, doch auch der Bariton gestand, noch nie ein Energiespiel im Stadion live miterlebt zu haben. Felsenfest versprochen haben die Vertreter beider Lager jedoch, dies alsbald zu ändern. Übereinstimmend erklärten sowohl Henneberg, als auch Michel, die sie glücklich sind, ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht zu haben. Und in diesem aber stets in der Pflicht sind, Bestleistungen abzuliefern. Was nicht immer so ganz leicht ist, wie der Theatermann offen erklärte: "Wenn Du das Stück ‚Männer' einschließlich Pause zweieinhalb Stunden spielst, gehst du genauso an die Grenzen, wie die Fußballer bei ihren 90 Minuten. Das ist doch nahezu gleich. Und wenn die Leute dann auch noch nach der fünften und sechsten Zugabe rufen, dann bist du einigermaßen im Eimer. Ähnlich ist es doch bei den Sportlern, wenn sie zum Beispiel in die Verlängerung gehen. Auch davor habe ich Respekt."

Einige Angaben zur Person entlockte die Moderatorin ihren Gäste während des lockeren Abends im Foyer der Kammerbühne. Dass es der frühere Radsportler Henneberg war, der den gegenwärtigen Renner "Männer" schon in Gelsenkirchen spielte und er dieses Stück für das Cottbuser Theater importierte. Und er sich zwischenzeitlich aus den familiären Zwängen befreite, und er 2007 an der Rostocker Musikhochschule sein Studium aufnahm. Und er erst jetzt wieder in seinem Vater, dem berühmten Kammersänger Prof. Matthias Henneberg daheim in Dresden einen profunden Berater an seiner Seite hat.

Sven Michel gab Einblick in sein Freizeitverhalten, als er von seinen Angeltouren auf dem Leuthener Kiessee berichtete und er künftig auf einem eben erworbenen Schlauchboot bei den Angeltouren "... runter kommt und gut abschalten kann", wie er sagte. Sein Teamkollege Torsten Mattuschka outete sich als Freund des Deutschen Schlagers, ohne gleich zum Beweis ein Lied anzustimmen. "Aber in einer feiernden Gesellschaft kann man schon mal die Songs anstimmen. Da geht übrigens auch, ohne zuvor großartig viele Biere geschluckt zu haben. Das Feiern mit meinen Freunden gehört zur Lebensqualität", so der 35-jährige, der allzu gern schon am Samstagabend in Feierlaune sein würde. Wenn denn das wichtige Rostock-Spiel gewonnen wird. "Wir haben uns gestern noch mal alle ohne den Trainer zusammengesetzt und uns die Meinung gegeigt. Das war nicht unbedingt schön für jeden, aber nur so kann es gehen. Denn nur gemeinsam haben wir die Chance, die Karre aus dem Dreck zu ziehen."

"Die entspannte Atmosphäre des heutigen Abends tat den Fußballern gerade in dieser Woche bestimmt besonders gut", so Christoph Heimbach, einer von 60 Besuchern. Auch Christian Henneberg war begeistert vom ersten Treffen mit der anderen Fraktion. "Ich fand toll, wie gut die Jungs auch zuhören konnten. Und wichtig auch, zu erkennen, dass es eigentlich keine Grenzen zwischen dem Sport und der Kultur gibt. Beide haben vergleichbare Ziele und beide arbeiten täglich intensiv für den jeweiligen Erfolg. Also ich fand den Abend einfach nur super."