Die junge und neu formierte Mannschaft von Energie Cottbus hat einen klaren Auftrag von der Vereinsführung mit auf den Weg in diese Saison 2019/20 bekommen: Sie soll die Fußball-Lausitz zurück in die 3. Liga schießen. Nach dem durchwachsenen Start präsentierte sich das Team in den vergangenen Wochen deutlich stabilisiert und hält als Tabellenfünfter der Regionalliga Nordost den Anschluss zur Spitzengruppe. „Die Mannschaft wird sich oben festsetzen und auch noch weiterkommen. Wofür das dann reicht, werden wir sehen“, sagt Trainer Claus-Dieter Wollitz.

Dennoch bleibt der Aufstieg eine riesengroße Aufgabe. Nach dem Abstieg in der Saison 2015/16 brauchte die neue Mannschaft zwei Jahren für die Rückkehr in die dritthöchste Spielklasse. Deshalb liegt der Vergleich nahe: Ist das aktuelle Team schon jetzt reif für den Aufstieg?

Blickt man auf die nüchternen Zahlen, dann ist die Mannschaft dem damaligen Aufstiegsteam sogar in zwei Gesichtspunkten voraus. Punkt eins: Mit dem 6:0 gegen den BFC Dynamo wurde Ende November der höchste Sieg seit neun Jahren gefeiert. Im November 2010 gab es gegen Erzgebirge Aue ebenfalls einen 6:0-Erfolg – damals allerdings noch in der 2. Bundesliga. Punkt zwei: Kürzlich gelang dem FCE mit dem 2:1 bei Wacker Nordhausen der erste Regionalliga-Sieg im Südharz. 2016 und 2017 gab es für das Aufstiegsteam jeweils ein Remis in Nordhausen.

Der auffälligste Unterschied zwischen beiden Mannschaften: Beim Neuaufbau im Jahr 2016 hatte Energie Cottbus mehr Erfahrung im Team. Spieler wie Marc Stein, Tim Kruse, Maximilian Zimmer und Kevin Weidlich haben für Stabilität gesorgt. Nun setzt der Verein – natürlich in erster Linie aus finanziellen Gründen – noch mehr auf die Jugend. Eigengewächse wie Tobias Eisenhuth (18 Jahre) und Moritz Broschinski (19) sind schon jetzt nicht mehr aus dem Team wegzudenken.

„Die damalige Mannschaft war allerdings in gewissen Situationen stabiler und abgezockter. Das müssen wir jetzt noch hinkriegen“, erklärt Wollitz. In fußballerischer Hinsicht habe jedoch auch das derzeitige Team „richtig was drin“. Wollitz ergänzt mit Blick auf die jüngsten Partien gegen den BFC und in Nordhausen: „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir im ersten Jahr schon so dominant gespielt haben. Die Mannschaft hat in jedem Fall Perspektive, sie hat ein Riesenpotenzial.“

Energie Cottbus liegt nach dem 11. Spieltag auf Tabellenplatz fünf. Der Rückstand zu Spitzenreiter Hertha BSC II beträgt fünf Punkte. In der Saison 2016/17 war der FCE zum selben Zeitpunkt Zweiter hinter Carl Zeiss Jena. Der Rückstand betrug sieben Zähler. Ein Jahr später in der Aufstiegssaison führte Energie nach elf Spieltagen die Tabelle bereits mit neun Punkten Vorsprung auf den BFC Dynamo an. Am Ende wuchs der Vorsprung auf sagenhafte 31 Punkte an.

In einem Punkt sieht Wollitz die aktuelle Mannschaft im Vorteil gegenüber dem Aufstiegsteam. Der derzeitige Kader ist nach Ansicht von Wollitz belastbarer als die Vorgänger:  „Es wird nicht groß diskutiert im Training, wenn wir die Intensität erhöhen. Weil die Spieler merken, dass es ihnen guttut. Das war damals leider immer ein Thema. Es wurde viel über die Intensität diskutiert.“

Speziell die Athletik ist derzeit ein großes Thema im Training. Nach den englischen Wochen am Saisonanfang wurde die Intensität noch einmal deutlich nach oben gefahren. „Ich weiß, was wir den Spielern in den vergangenen Wochen abverlangt haben. Aber ich bin  mir sicher: Wenn die Mannschaft diesen Weg mitgeht, werden wir irgendwann die Belohnung bekommen. Da ist noch viel mehr Luft nach oben, weil viele Spieler noch nie unter diesen professionellen Bedingungen trainiert haben“,  erklärt Wollitz. Ob dieses Steigerungspotenzial genau wie im Mai 2018 wieder zum Aufstieg reicht, muss sich jedoch erst noch zeigen. In diesem Punkt muss das aktuelle Team erst noch nachziehen.