Die Fans waren wütend, die Spieler von Energie Cottbus ratlos und selbst die Trainer beider Teams mussten sich erst einmal sachkundig machen. War dieses Tor beim 1:1 (0:0)-Remis des FCE gegen den 1. FC Kaiserslautern wirklich regelkonform?

In der 89. Minute hatte Jan Löhmannsröben den späten Ausgleich für die Gäste aus der Pfalz erzielt. „Ich habe das Gegentor nicht verstanden“, erklärte Energie-Mittelfeldspieler Jürgen Gjasula nach dem Schlusspfiff. „Es war eine Abseitssituation, und so wie ich das kenne, gibt es das erst nach der Mittellinie.“

Um diese Szene geht es: Energies Luke Hemmerich stand in der Lauterer Hälfte des Spielfeldes im Abseits, die Partie lief jedoch weiter und wurde erst unterbrochen, als Hemmerich in der Cottbuser Hälfte ins Spiel eingriff. Dort gab es dann auch den Freistoß, der zum späten Ausgleichstor von Löhmannsröben führte.

Im Abseits stehen kann ein Spieler nur in der gegnerischen Hälfte, also ab der Mittellinie! Diese Regel war für viele Fußballer-Generationen stets Gesetz. Viele fragten sich deshalb am Samstagnachmittag: Wie konnte es also einen Freistoß wegen Abseits gegen Energie in der Cottbuser Hälfte geben? „Es gibt offenbar eine neue Regel“, wunderte sich Energie-Trainer Frank Eulberg, der diesmal den gesperrten Claus-Dieter Wollitz an der Seitenlinie vertrat. Und Gäste-Coach Sascha Hildmann meinte: „Wir haben die neue Regel unmittelbar vor dem Spiel mit der Mannschaft besprochen. Nein, im Ernst: Dass es diese neue Regel gibt, habe ich bisher nicht gewusst.“

So neu ist die Regel allerdings gar nicht. Sie wurde schon zur Saison 2016/17 eingeführt. Ganz konkret heißt in Regel 11 zum Thema Spielfortsetzung nach einem Abseitspfiff: „Bei einem Abseitsvergehen gibt der Schiedsrichter am Ort des Vergehens einen indirekten Freistoß, auch wenn sich der Ort in der eigenen Hälfte des Spielers befindet.“

Es kann zum Beispiel dann auf Freistoß in der eigenen Hälfte entschieden werden, „wenn sich der Spieler von einer Abseitsposition in der Hälfte des Gegners in die eigene Hälfte begibt, um dort ein Abseitsvergehen zu begehen beziehungsweise eingreift“. Im konkreten Fall wurde die Abseitsstellung von Luke Hemmerich erst in der eigenen Hälfte zum ahndungswürdigen Vergehen, als er ins Spiel eingriff.

Claus-Dieter Wollitz suchte später ebenfalls noch einmal das Gespräch mit Schiedsrichter Tobias Reichel aus Stuttgart. „Auch ich kannte diese Regel noch nicht“, räumte Wollitz ein.

Aber er hatte noch ein weiteres Gesprächsthema mit dem Schiri. Wollitz: „Warum wir in der 92. Minute einen Freistoß bekommen und noch angezeigt wird, wo der ausgeführt werden muss – und dann wird abgepfiffen, dafür hat sich der Schiedsrichter entschuldigt. Wir hatten ein gutes Gespräch.“

Übrigens: Auch die RUNDSCHAU stolperte am Samstag über die Abseitsregel. In unserem ersten Spielbericht unmittelbar nach dem Schlusspfiff sind wir davon ausgegangen, dass der Ort des Freistoßes für Kaiserslautern nicht korrekt gewesen sei. Das ist jedoch falsch.

NEUE REGELN: DAS HAT SICH 2016/2017 GEÄNDERT

Bildergalerie 22 Lasse Schlüter (Schlueter) (Energie Cottbus, l.), 24 Christian Kühlwetter (Kaiserslautern)