So klar war die Ausgangsposition für Energie Cottbus in dieser Saison noch nie. Der FCE liegt in der Fußball-Regionalliga Nordost vor dem 14. Spieltag auf Platz vier und macht aus seinen Aufstiegs-Ambitionen keinen Hehl. Der Bischofswerdaer FV kommt an ­diesem Sonntag (13.30 Uhr/LR-Liveticker) als Schlusslicht in die Lausitz und hat erst ein Spiel gewonnen. Die Gäste haben 43 Gegentore kassiert und sind das defensivschwächste Team aller fünf Staffeln. Trainer Fred ­Wonneberger leitet gleichzeitig die Geschäftsstelle bei „Schiebock“.

Und trotzdem! Oder gerade deswegen. Trainer Claus-Dieter Wollitz warnt sein Team davor, den Kontrahenten zu unterschätzen. „Jeder spricht mich auf die Höhe des Ergebnisses an. Aber wir sollten bescheiden bleiben und den Gegner ernstnehmen“, betont Wollitz und ergänzt mit Blick auf die Favoritenrolle seines Teams: „Ich warne davor, nachlässig zu werden. Das Potenzial ist da. Aber das ist nur das eine. Das andere ist, dieses Potenzial auf die Platte zu bekommen. Sonst kann das auch nach hinten losgehen.“

Zumal sich Energie Cottbus in den vergangenen Wochen speziell gegen die vermeintlich kleineren Gegner nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat. Die zwischenzeitliche Stabilisierung nach dem schwierigen Saisonstart wurde zuletzt von der einen oder anderen Nachlässigkeit begleitet. „Im Pokalspiel gegen Stahnsdorf, gegen Chemie Leipzig und phasenweise auch in Babelsberg haben wir unsere Qualität nicht auf den Platz bekommen. Speziell gegen Chemie haben wir ein blaues Auge abbekommen. Wir sollten das nicht noch weiter herausfordern“, mahnt Wollitz.

Unter dem Strich hat der FCE diese drei Spiele zwar durchweg gewonnen. Von spielerischen Glanzleistungen oder gar Schützenfesten war man aber weit entfernt. Weil die Mannschaft in diesen Partien so agierte, wie man es sprichwörtlich einem guten Pferd zuschreibt: Es springt nicht höher, als es muss. In Sachen Tempo und Organisation auf dem Rasen hat Wollitz jedoch andere Vorstellungen und An­sprüche an seine Spieler.

Dazu kommt: Energie spielt zwar an diesem Sonntag gegen Bischofswerda – die Messlatte sind jedoch andere Vereine. Um die angepeilte Rückkehr in die 3. Liga zu schaffen, muss der FCE erst einmal den Meistertitel in der Nordost-­Staffel holen und dann auch noch in den beiden Aufstiegsspielen gegen den Meister der West-Staffel bestehen.

Dort steht derzeit der SC Verl ganz oben, der in dieser Woche im DFB-Pokal für Aufsehen gesorgt und mit Holstein Kiel einen Zweit­ligisten aus dem Wettbewerb geworfen hat. Dahinter liegen Rödinghausen, Oberhausen und Essen in Lauerstellung. Natürlich schaut man beim FCE schon jetzt sehr genau in Richtung Westen. Trainer Wollitz gab in der Pressekonferenz am Freitag einen kleinen Einblick in die intensive Beobachtung des möglichen Gegners in den Aufstiegsspielen und ließ damit keinen Zweifel zu: Genau diese beiden Partien im Mai 2020 sind das große Ziel.

Bis dahin gilt es jedoch erst einmal, gegen Bischofswerda an diesem Sonntag ein weiteres blaues Auge zu vermeiden. „Wir sind zwar auf gutem Weg. Aber wir müssen noch mehr liefern, wenn wir Erster werden wollen und dann Erster bleiben wollen“, betont Wollitz. Für Selbstzufriedenheit ist jedenfalls kein Platz in seinem Matchplan.