Von Jan Lehmann

Es war sein erstes Foul im Spiel, allerdings ziemlich nah am Strafraum. Jürgen Gjasula war am Samstag in der umkämpften Partie gegen den VfR Aalen im vollen Tempo zum Ball gegangen und hatte dabei seinen Gegenspieler Antonios Papadopoulos mit beiden Beinen erwischt. Schiedsrichter Sören Storks hielt bereits die gelbe Karte in der Hand, als Gjasula noch auf dem Boden saß und enttäuscht den Kopf schüttelte – es war seine fünfte Verwarnung: Eine harte, aber korrekte Entscheidung, die Energie nun Sorgen bereitet. Ausgerechnet im entscheidenden Spiel am Samstag bei Eintracht Braunschweig (13.30 Uhr/RUNDSCHAU-Liveticker) ist der 33-Jährige gesperrt und muss zuschauen. Der Routinier bedauert: „Das ist natürlich schwer für mich. Ich hatte seit drei Spielen die vierte gelbe Karte und habe versucht, ohne durchzukommen. Nun hat es mich leider erwischt.“

Für Trainer Claus-Dieter Wollitz ist das ein harter Schlag. Er beschreibt: „Er ist ein Top-Spieler, ein Unterschiedsspieler. Ihn können wir gar nicht ersetzen.“ Wollitz gibt sich für die Trainingswoche die Aufgabe: „Wir müssen andere Lösungen finden.“ Darauf setzen auch Gjasulas Teamkollegen. José-Junior Matuwila erklärte: „,Gjasu‘ ist ein Spieler, der sehr viel für uns kreieren kann und das Spiel an sich reißt. Es ist ein Ausfall, der uns sehr wehtun kann. Wir müssen das bestmöglich kompensieren und werden dann trotzdem noch eine gute Elf auf den Platz bringen.“ Kevin Weidlich ist zuversichtlich: „Den Wert von Gjasula kennen wir. Aber es gibt genügend Spieler, die in die Bresche springen können. Wir werden auf jeden Fall alles raushauen, um in der Liga zu bleiben.“

Ende Januar war Gjasula zum FC Energie gekommen und hatte innerhalb weniger Tage die Führungsrolle auf dem Spielfeld übernommen. In 16 Spielen war er die kompletten 90 Minuten dabei, der FCE holte mit ihm 21 Punkte. Das ist ein Schnitt von 1,3 Punkten pro Spiel. Zum Vergleich: Ohne Gjasula verbuchte Energie in 21 Spielen 23 Zähler (1,1 pro Spiel).

Doch der Wert des Mittelfeldspielers ist nicht nur am Punkteschnitt zu ermessen. Energie wird vor allem die Nervenstärke des ehemaligen albanischen Nationalspielers fehlen, der einst mit dem FC Basel sogar in der Champions League gegen den FC Barcelona mit Lionel Messi gespielt hatte.

FCE-Trainer Wollitz bezeichnet Gjasula wegen dessen Coolness als „Kühlschrank“, seine Eiseskälte hätte dem FCE in dem zu erwartenden hitzigen Nervenspiel vor mehr als 20 000 Braunschweiger Fans sicher gut getan. Doch auch bei der Eintracht muss man auf einen wichtigen Mann verzichten: Abwehrspieler Benjamin Kessel (31). Er ist einer der vielen Verstärkungen aus der Winterpause, die der Eintracht neues Leben eingehaucht haben. So verstärkt holten die Braunschweiger mit Kessel in der Startelf seit Ende Januar in 17 Spielen 30 Punkte (1,8 Punkte pro Spiel).

Nicht nur Energie und Braunschweig haben vor dem großen Abstiegsfinale derartige Sorgen. Carl Zeiss Jena, das gegen 1860 München zu Hause gewinnen muss, ist durch die Gelb-Sperren von Angreifer Manfred Starke (7 Tore/9 Vorlagen) und Mittelfeldspieler Justin Schau gleich doppelt gehandicapt. Starke kassierte die Verwarnung in der 88. Spielminute und zog sich frustriert das Trikot über den Kopf.

Wichtiger für Energie ist sicherlich die Kessel-Sperre bei der Eintracht. Weil er fehlt, hat Braunschweig in der Defensive durchaus ein Problem. Bei der 0:1-Niederlage in Halle war Verteidiger Robin Becker wegen einer Verletzung früh ausgewechselt worden, sein Ersatz Felix Burmeister verursachte kurz darauf den spielentscheidenden Elfmeter. Und mit Kessel geht der Eintracht auch etwas die Kopfballstärke abhanden: 1,91-Meter-Mann räumt in der Luft viel ab.

Bei Energie hingegen könnte mit Tim Kruse ein kopfballstarker Mann den Ausfall von Mittelfeldlenker Gjasula kompensieren. Es wäre das letzte Drittliga-Spiel seiner Laufbahn, der 36-Jährige beendet im Sommer seine Karriere. Der Klassenerhalt mit Energie wäre dafür der krönende Abschluss. Der gesperrte Gjasula ist davon überzeugt: „Wir sind wir gut aufgestellt, und werden das auch schaffen.“