Wilfried Schrey war der erste Landrat des Kreises Herzberg, 1994 zog er in den Landtag ein und machte bis zum Ruhestand 15 Jahre Landespolitik. Zur Landtagswahl im September 2009 trat er nicht mehr an. Seitdem ist der 67-Jährige Rentner. "Das erste Jahr zu Hause war schon sehr gewöhnungsbedürftig", sagt er. Doch das musste er schon geahnt haben, denn im Oktober 2008 war Wilfried Schrey zur Kommunalwahl für das Falkenberger Stadtparlament angetreten und wurde gewählt. Ein wenig Politik blieb ihm also noch.

Das Hauptaugenmerk aber liegt seit dem Ruhestand auf der Familie, und die ist nicht klein. Zwei Töchter, zwei Schwiegersöhne, vier Enkel und mittlerweile auch das eineinhalb Jahre alte Urenkelchen Paula fordern den Opa, der gern in diese Rolle schlüpft. "15 Jahre lang war immer kurz vor Weihnachten die letzte Landtagssitzung des Jahres. Fast nie konnte ich in dieser Zeit zum Geburtstag meiner Tochter am 16. Dezember zu Hause sein. Das hat mir immer sehr leidgetan. Jetzt genieße ich das, genauso wie die Vorweihnachtszeit, wenn ich mit meiner Frau gemütlich im Kerzenschein Kaffeetrinken kann. Das ist mir wichtig", sagt Wilfried Schrey.

Dennoch verfolgt er die Geschehnisse im Potsdamer Landtag noch immer sehr ausführlich. Er hat auch noch Kontakt zu Abgeordneten und besonders zu seinem damaligen Mitarbeiter Maik Betke. "Mindestens einmal im Jahr bin ich in Potsdam, zumeist zur Jahresabschlussfeier der Fraktion. Schließlich muss man doch aus erster Hand wissen, was im Land läuft und vor allem, was für die Stadt Falkenberg von Bedeutung sein könnte", sagt der 67-Jährige.

Die Landespolitik hat er fest im Blick, und da gibt es vieles, was ihn ärgert. "Freien Schulträgern die Mittel zu kürzen, dafür habe ich kein Verständnis. Ebenso wenig dafür, dass es bei der Infrastruktur in unserer Region so wenig vorangeht. Die B 87 steht weiter in den Sternen", so Schrey. Auch bei der Landwirtschaft laufe nicht alles in richtigen Bahnen. "Ich bin für alternative Energien", sagt er, "aber es darf nicht immer mehr Mais angebaut werden, wo eigentlich etwas anderes hin könnte. Es dürfen auch keine landwirtschaftlichen Flächen oder gar Wälder für Solarparks genutzt werden", meint er.

Im Falkenberger Stadtparlament hat Wilfried Schrey seine neue politische Heimat gefunden - wenn auch einige Nummern kleiner als früher. Er lobt die gute Zusammenarbeit in den Fraktionen, das aktive Vereinsleben in der Stadt, die neue Verkehrsführung und als ehemaliger Infrastrukturspezialist seiner Landtagsfraktion natürlich die Arbeiten am Falkenberger Bahnhof. Am vergangenen Donnerstag war er dabei, als in der ehemaligen Mitropa das neue Servicegebäude eingeweiht wurde. "Das ist eine tolle Sache. Früher sah es hier doch verheerend aus", meint er.

Neben der Kommunalpolitik arbeitet Wilfried Schrey auch weiterhin in der Schützengilde Uebigau und in der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald mit. Dennoch bleibt ihm Zeit für seine Hobbys, wie Haus und Garten auf dem 4000 Quadratmeter großen Grundstück in Kölsa, Urlaubsreisen mit seiner Frau Gabriele und natürlich den Fußball.

Oft ist er auf dem Fußballplatz in Falkenberg zu finden, so auch am gestrigen Samstag beim Pokalspiel des ESV Lok gegen den VfB Herzberg. Wilfried Schrey hat dabei ein besonderes Auge auf seine Schwiegersöhne, die beide in der ersten Lok-Mannschaft spielen. Aber auch im Schreyschen Wohnzimmer ist der Fußball zu Hause. Oft verfolgen die Männer samstags gemeinsam spannende Bundesligapartien vor dem Fernseher. "Ich bin schon immer Fan von Borussia Dortmund. Sehr zum Entsetzen meiner Schwiegersöhne, von denen einer Bayern- und einer Schalke-Fan ist. Jeder Fußballkenner kann sich vorstellen, was da manchmal los ist", sagt Wilfried Schrey.

Sonntags tauscht er dann den großen gegen einen kleineren Ball und findet sich ein paar Häuser weiter beim Nachbarn zum Billard ein. "Das hat sich mal so ergeben. Der Nachbar hat sich einen Billardtisch angeschafft, und so spielen wir schon seit ein paar Jahren jeden Sonntag von 10 bis 12 Uhr Billard. Das macht Spaß. Da kommen immer viele Leute", erzählt der Kölsaer.

Wilfried Schrey ist es also alles andere als langweilig im Ruhestand. Und ob Kommunalpolitik, Gartenarbeit oder Sport: Er ist immer noch überall am Ball.

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Zur PersonWilfried Schrey wurde am 6. Februar 1944 in seinem Elternhaus in Kölsa geboren. Er ist gelernter Werkzeugmacher und studierter Landtechniker. Er war technischer Leiter des Volkseigenen Gutes in Kölsa und später technischer Leiter und Sicherheitsinspektor der Kooperativen Abteilung Pflanzenproduktion. Von 1990 bis 1994 war Wilfried Schrey Landrat des Kreises Herzberg. Von 1994 bis 2009 saß er für die CDU im Potsdamer Landtag. Heute ist er Stadtverordneter in Falkenberg.