Bisher lernen am Steenbeck-Gymnasium 22 Schüler in einer Klasse. "Dies entspricht dem Schulprofil seit mehr als 20 Jahren", sagt Schulleiter Andreas Käßner. Nicht zuletzt sei das eine wichtige Voraussetzung für das erfolgreiche Abschneiden der Eliteschüler bei nationalen und internationalen Wettbewerben.Am neuen Standort in der Erich-Weinert-Straße sollen ab dem Schuljahr 2012 allerdings bis zu 28 Schüler je Klasse aufgenommen werden. Es gebe keine Rechtsgrundlage dafür, dem Steenbeck-Gymnasium eine hiervon abweichende Bandbreite zu ermöglichen, hat das brandenburgische Bildungsministerium auf eine Anfrage des Cottbuser Oberbürgermeisters Frank Szymanski (SPD) mitgeteilt. Eine Antwort des Ministeriums auf den von der Verwaltung unterbreiteten Kompromissvorschlag, in der Jahrgangsstufe 7 insgesamt 24 Schüler pro Klasse aufzunehmen und zwei weitere Plätze durch Quereinsteiger zu besetzen, steht bisher noch aus.Bedenk- und verwunderlichVerwunderlich sei es, so Andreas Käßner, dass der notwendige Platz für die zusätzlichen Schüler am neuen Standort dadurch geschaffen werden soll, dass Lernmaterialien und Lern- beziehungsweise Medieninseln aus den mit großem Engagement sorgfältig geplanten Räumen entfernt werden sollen. "Bedenklich erscheint uns auch", so der Schulleiter, "dass die bereits mit geometrischen Tricks auf 24 Arbeitsplätze vergrößerten Laborräume ebenfalls auf 28 Arbeitsplätze gebracht werden sollen." Daraus ergebe sich ein deutlich gesteigertes Gefährdungspotenzial. "Ein geordnetes und verletzungsfreies Verlassen eines solchen Raumes im Falle eines Unfalls während eines Experiments scheint uns nahezu unmöglich", sagt Andreas Käßner. Es sei weder mit dem pädagogischen Konzept der Schule noch mit der Verantwortung für die Sicherheit aller am Bildungs- und Erziehungsprozess Beteiligten vereinbar, eine Veränderung der Klassenstärken vorzunehmen. Im Gegenteil, so Käßner: Eine Senkung der Klassenfrequenzen auf 22 Schüler entspräche dem zugrunde liegenden pädagogischen Konzept und dem aktuellen Stand der Bildungs- und Begabtenforschung. Die Stadtverwaltung, so die Erklärung während der jüngsten Sitzung des Bildungsausschusses, will für das Steenbeck als eines von zwei im Land Brandenburg vorhandenen Gymnasien mit dem Alleinstellungsmerkmal der Förderung von Hochbegabten eine Sonderregelung beim Ministerium erwirken. Sowohl Schulleitung als auch Schulträger seien sich einig, dass nur kleine Klassen für eine Begabungsförderung in Qualität sinnnvoll sind.Vergessenes ZertifikatDiese Forderung macht auch die Junge Union Cottbus auf. Vor zwei Jahren habe der damalige Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) dem Steenbeck-Gymnasium im Wahlkampf ein Zertifikat als Schule für Hochbegabte zuerkannt. "Heute will man in seinem Haus offenbar nichts mehr davon wissen", sagt Raphael Noack, Chef der Jungen Union und Mitglied im Bildungsausschuss. Er sieht durch einen "Kahlschlag in der Schullandschaft" die Begabtenförderung auf der Kippe. "Rot-rot will einer langen Reihe von törichten Entscheidungen nun noch eine weitere hinzufügen", so Noack weiter. "Hoffentlich können wir wenigstens unser letztes Juwel retten."In einem ersten Schritt sollen die Cottbuser Landtagsabgeordneten in den Bildungsausschuss eingeladen werden. Bei ihnen soll um eine Ausnahmegenehmigung für das Steenbeck-Gymnasium geworben werden. Außerdem will der Ausschuss in der Stadtverordnetenversammlung für eine Sonderregelung zur Klassenfrequenz plädieren.Andreas Käßner setzt auf die Kompromissbereitschaft der obersten Schulaufsichtsbehörde. "Wir werden Ende April, Anfang Mai noch einmal das Gespräch mit dem Ministerium suchen und dabei für unsere Position werben", sagt er.