Der maskierte junge Mann war nach offiziellen Angaben am Morgen in seine Schule in der südwestfinnischen Kleinstadt Kauhajoki gestürmt und hatte zahlreiche Schüsse auf seine Mitschüler abgefeuert. Nur einen Tag vor dem blutigen Amoklauf war der Berufsschüler wegen eines Videos auf dem Internetportal Youtube von der Polizei verhört worden.

Ministerpräsident Matti Vanhanen hatte zunächst den Tod von neun Schülern bestätigt. Wie viele Menschen der Amokschütze verletzt habe, sei ihm noch nicht bekannt, sagte Vanhanen in Helsinki. Laut dem öffentlichen Rundfunk YLE wurden zwei Menschen verletzt. Ein Mitarbeiter des Bürgermeisters von Kauhajoki, Ari Paananen, sagte, der Täter habe nach dem Amoklauf die Waffe auf sich selbst gerichtet. Wie Schulleiter Tapio Varmola unter Berufung auf die Polizei bestätigte, handelte es sich bei dem Schützen um einen Schüler der Berufsschule. Matti Juhani Saari habe eine Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe gemacht.

Augenzeugenberichten zufolge brach in der Schule Panik aus, als der Täter das Feuer auf seine Mitschüler eröffnete. Hausmeister Jukka Forsberg berichtete, zunächst Schüsse und Schreie gehört zu haben. "Dann kamen zwei Mädchen in mein Zimmer und sagten, dass ein unheimlicher Mann um sich schießt", sagte Forsberg. Er habe einen Mann gesehen, der eine große schwarze Tasche in einem Korridor abstellte, in einen Klassenraum ging und die Tür hinter sich schloss. "Ich habe durch das Fenster geguckt, und er hat sofort auf mich geschossen", sagte Forsberg weiter. "Er hat auf mich gefeuert, aber ich bin im Zickzack gelaufen. Ich bin um mein Leben gerannt." Die Schule soll bis auf Weiteres geschlossen bleiben.

Ein auf dem Internetportal Youtube veröffentlichtes Video zeige den Amokschützen bei Schießübungen, teilte Innenministerin Anne Holmlund mit. Daraufhin habe ein Polizist am Montag mit dem Jungen gesprochen. Nach ihren Angaben besaß der Mann einen vorläufigen Waffenschein für eine Schusswaffe des Kalibers 22. Nach dem Gespräch sah der Polizist laut Holmlund jedoch keine Veranlassung, Waffe und Waffenschein wieder einzuziehen. In den vergangenen drei Wochen hatte ein Internetnutzer unter dem Pseudonym "Wumpscut86" insgesamt vier kurze Videos auf Youtube veröffentlicht. Darin verkündete unter anderem ein Bewaffneter: "Ihr seid die nächsten, die sterben."

Es war bereits der zweite Amoklauf an einer finnischen Schule innerhalb nur eines Jahres. Im vergangenen November hatte der 18-jährige Abiturient Pekka-Eric Auvinen am Gymnasium der finnischen Ortschaft Tuusula acht Menschen und sich selbst erschossen. Seine Tat hatte er ebenfalls zuvor auf Youtube angekündigt. Eine Reihe von Maßnahmen sollten seitdem verhindern, dass sich solche Amokläufe wiederholen. Zudem beschloss die Regierung die Umsetzung einer EU-Richtlinie, die Waffenbesitz erst ab 18 Jahren erlaubt.AFP/bw