. Auf dem BTU-Campus steht jetzt eine Tankstelle – allerdings für Elektroautos. Das Unternehmen A-R-T aus Bronkow (Oberspreewald-Lausitz) hat der BTU eine Fotovoltaik- und Batterieanlage übergeben. Der Bau soll unter anderem Strom für Ladestationen von Elektrofahrzeugen liefern.

Damit tritt die Universität in die heiße Phase ihrer Elektro-Auto-Forschung. BTU, Vattenfall und German E-Cars untersuchen im Rahmen eines drei Jahre laufenden Neun-Millionen-Euro-Projektes, ob Tankstationen für Autobatterien zur Regulierung des Stromnetzes dienen können.

Die Forscher wollen herausfinden, welche Rolle Elektroautos bei der Energiewende spielen können. So sollen die Automobile bei der Stromnetzsteuerung und bei der Speicherung von Energie aus erneuerbaren Quellen helfen.

Vattenfall stellt für das Projekt 50 Elektrofahrzeuge zur Verfügung. Zusätzlich sollen 100 Ladestationen entstehen. Noch sind die Fahrzeuge allerdings nicht im Einsatz. Wie Vattenfall-Sprecher Thoralf Schirmer der RUNDSCHAU auf Nachfrage bestätigte, werden die ersten Automobile derzeit umgerüstet.

Anfang kommenden Jahres sollen elf Mercedes Sprinter und 30 Opel Corsa in Betrieb genommen werden. Davon sollen 15 Opel an die BTU gehen. Außerdem sollen in Cottbus 28 Ladepunkte und 16 Ladeboxen entstehen. Den Fuhrpark werden Vattenfall-Mitarbeiter nutzen. Eine Kooperation mit externen Partnern sei auch im Gespräch, so Schirmer weiter. Anders als bei herkömmlichen Ladestationen soll nicht nur Strom getankt, sondern auch Elektroenergie ins Stromnetz zurückgegeben werden. So würden die Batterien helfen, Schwankungen auszugleichen, die durch den unregelmäßig fließenden Strom aus erneuerbaren Quellen entstehen.

„Die Anlage ist fertig. Nun müssen wir Erkenntnisse sammeln“, sagte A-R-T-Chef Roland Kalz. In den nächsten Monaten werden Messdaten gesammelt und von den Forschern ausgewertet. Die Anlage hat eine Speicherkapazität von 2000 Kilowattstunden – in etwa die Strommenge, die ein Single-Haushalt pro Jahr verbraucht. „Wir sind stolz, bei diesem zukunftsfähigen Projekt dabei zu sein“, so Kalz.

Das Projekt ist ein weiterer Baustein der aktuellen BTU-Stoßrichtung. So soll sich die Lausitzer Hochschulregion in Zukunft auf alle Fragen der Energiewirtschaft, -forschung und -technologie spezialisieren. Das hatte Brandenburgs Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) Anfang dieser Woche verkündet.

„Die drängenden Probleme Energiesicherheit, Netzstabilität, die Integration und Akzeptanz von erneuerbaren Energien, all diese Themen sollen künftig in Cottbus und Senftenberg zu wissenschaftlichen Aufgabenfeldern werden“, sagte Kunst. Diese neue Stoßrichtung basiere auch auf dem Bericht der Lausitz-Kommission, der kurz vor dem Abschluss stehe. Ein Plan sieht außerdem vor, dass die BTU und die Hochschule Lausitz (FH) noch enger zusammenarbeiten sollen.

Zum Thema:

HintergrundDie Bundesregierung will die Nutzung von stromgetriebenen Fahrzeugen unterstützen. Dazu zählt auch die verstärkte Forschungs-Förderung für neue Batterien. Laut Schätzungen von Industrieverbänden sollen in den kommenden Jahren 17 Milliarden Euro in die Entwicklung von Elektro-Autos investiert werden. In der Bundesrepublik hat derzeit Bremen mit 7,6 Fahrzeugen pro 100 000 Einwohner die höchste Elektro-Auto-Dichte. Brandenburg und Sachsen liegen auf den Plätzen 12 und 13, gefolgt von Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen.