ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:31 Uhr

Elbe-Elster balanciert auf einer Einwegspritze

Tröbitz. Der Mittelpunkt des Elbe-Elster-Kreises liegt nördlich von Tröbitz. Am morgigen Mittwoch wird Landrat Christian Jaschinski (CDU) eine Granitsäule einweihen, die auf diesen Standort hinweist. Von Hartmut Adler*

Die Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde aus Bad Liebenwerda ist für außergewöhnliche Aktionen bekannt. Da wäre zum Beispiel die Errichtung der Spottsäule bei Prestewitz oder die Vermessung der höchsten Erhebung des Landes Brandenburg. Vor zwei Jahren wandte sich daher Heinz Wicher aus Torgau an den Vorstand. Und sein Angebot klang verlockend: Er bot den Mittelpunkt des Landkreises Elbe-Elster. Im vergangenen Oktober berichtete der Torgauer im Rahmen der Reihe „Liebenwerdaer Vorträge“ von der Verfahrensweise, wie er auf den Standort nördlich von Tröbitz gekommen war.

Sein Vorgehen ist so simpel wie ideal: Er klebt die zu bestimmende Fläche auf eine stabile Pappe und schneidet diese dann aus. Dieses Konstrukt balanciert Wicher auf einer ausgedienten Einwegspritze genau aus und sticht den Schwerpunkt der Fläche durch. Obwohl Ausschneide-Ungenauigkeiten, möglicherweise unterschiedliche Pappstärken und verschiedene Leimdicken das Ergebnis beeinträchtigen könnten, erhält er relativ genaue Zahlen.

Die durch rechnerische Nachprüfungen über Softwarelösungen ermittelten Schwerpunkte liegen erstaunlicherweise in der Nähe von Wichers Punkt, was für dessen handwerkliches Geschick und treffgenaues Fingerspitzengefühl spricht. Da er Balancevorlagen in der Größe bis zum Format A 4 verwendet, bedeutet eine Stich-Ungenauigkeit von einem Millimeter je nach Maßstab eine Abweichung von mehreren Hundert Metern in der Natur.

Unabhängig von den Ermittlungen des Bad Liebenwerdaer Vereins und von Heinz Wicher hatten zwei Auszubildende des Kataster- und Vermessungsamtes im Kreis im vergangenen Jahr die Aufgabe erhalten, im Rahmen einer Hausarbeit eine Methode zur Ermittlung des Mittelpunktes des Elbe-Elster-Kreises zu finden. Die angehenden Vermesser fanden ihre Mittelpunkte ebenfalls nördlich von Tröbitz.

Mitarbeiter des Katasteramtes und des Vereins trafen sich sodann an Ort und Stelle zur Begutachtung. Da der exakte Mittelpunkt nach Heinz Wicher im Wald liegt, soll eine ortsnahe Stelle mit einer ausreichenden touristischen Attraktivität gefunden werden. Es bot sich die sogenannte Kiesgrubenkreuzung etwa zwei Kilometer nördlich der Ortslage Tröbitz an. Hier kreuzen sich die Radwanderwege FR 6 und EE 7 sowie asphaltierte Wege von Schilda nach Kirchhain, von Buchhain und von Prießen nach Tröbitz. Das Katasteramt bestimmte den Punkt nach Koordinaten.

Der Bad Liebenwerdaer Verein ließ beim Uebigauer Steinmetz Seeliger eine Granitsäule mit der Inschrift „Mittelpunkt des Landkreises Elbe-Elster“ anfertigen, die Wilfried Höntzsch aus Stolzenhain an der Röder finanzierte. Rückseitig sind die Koordinaten erwähnt: 51°36'51,0" N – 13°25'32,6" O. Der Mittelpunkt des Kreises steht damit fest.

Am morgigen Mittwoch wird Landrat Christian Jaschinski (CDU) die Säule um 16 Uhr einweihen.

*Der Autor ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde