"Der fällt ja einfach um", ruft Jeannine Abraham zu ihrem Sohn. Neben ihr ist mitten auf dem Potsdamer Platz in Berlin gerade ein Mann stehend eingeschlafen und wie ein Stein zu Boden gegangen. Sie umklammert ihre Handtasche und ist nervös. Ein großer Mann, Mitte 30, mit einer eigenwillig gestalteten Glatze legt seine Hände auf ihre Schulter, flüstert ein paar Worte und Jeannine schläft. Jetzt kippt auch sie einfach um und fällt auf eine blaue Gummimatte.

Der Magier Jan Becker, Gewinner der Fernsehshow "The next Uri Geller" im Jahr 2009, hypnotisierte am frühen Freitagmorgen vor der Hochhaus-Kulisse am Potsdamer Platz Passanten in den Schlaf. Ein Berliner Radiosender war Veranstalter der Aktion. Becker - ein auffälliger großer Mann in einem karierten Mantel - versichert: "Das ist alles absolut ungefährlich. Es ist alles Eure eigene Vorstellungskraft. Ich mache nur eine Tür auf".

Ungläubig schaut auch Dennis, Student aus Berlin, über den Platz. Hier haben sich zahlreiche Schaulustige eingefunden und beobachten das skurrile Spektakel. "Ich glaube eigentlich nicht an so einen Kram, aber ich will es jetzt ausprobieren", sagt er. So geht es fast allen Anwesenden an diesem Freitagmorgen.

Nach einer Stunde schläft die Hälfte der über 50 Freiwilligen tief und fest. Ob Autolärm, Straßenarbeiten oder Polizeisirene, nichts lässt die Schlafenden aufwachen. Der Boden ist kalt und Wind kommt auf. Der Magier entschließt sich die Schlafenden, die wie in einem Sportstudio auf blauen Matten liegen, aus ihren Träumen zu holen.

Nochmals geht Jan Becker jetzt auf Jeannine zu. Ohne Regung liegt sie noch immer auf der Gummimatte. Der Magier, der sich selbst "Wundermacher" nennt, legt seine Hand auf ihren Bauch, spricht mit leiser Stimme und zählt bis drei. Jeannine Abraham schreckt hoch und versteht die Welt nicht mehr. "Ich habe alles mitbekommen, alle Geräusche und Gespräche, konnte aber nicht aufstehen. Ich bin total begeistert. Der Mann ist ja unglaublich."