Vor vier Jahren hat die Leidenschaft begonnen - zunächst übers Fernsehen. Patrick Zetzmann sah zufällig einen Bericht über Alpakas in Deutschland. "Ich war so fasziniert von den Tieren, dass ich mit meiner Familie in den Leipziger Zoo fuhr, um sie aus aller Nähe zu betrachten", erzählt er.

Vielleicht hätte der damalige Herzberger Gymnasiast das nicht tun sollen, denn ab sofort war es um ihn geschehen. "Wer einem Alpaka zu lange in die Augen schaut, ist von ihm für immer gefesselt". Das besagt ein altes Sprichwort aus den südamerikanischen Anden, ihrer Heimat. Den Augenblick dieser "Fesselung" bereut Patrick jedoch nicht - ebenso wenig wie seine Eltern und Großeltern. Schafe, Kaninchen, Hühner, Enten, Katze und Hund - haben schon immer zum Familien-Glück gehört. Auf dem großen Wiesengrundstück hinterm Haus gibt es genügend Platz für alle. Nach Internet-Recherchen und Besuchen bei Züchtern vergrößerte sich die Tierschar um fünf Alpakas: drei Stuten und zwei Hengste. "Wir legen auf erstklassige Tiere Wert, auch wenn sie ihren Preis haben."

Im Juni dieses Jahres gab es Nachwuchs: Maja, die kaffeebraune Mutter, lässt ihr "Baby" Weightface nur ungern unbeobachtet, auch wenn es bereits mehr als 25 Kilogramm schwer ist.

"Wir sind absolut stolz auf Patrick. Enorm, was der Junge alles über Alpakas gelernt hat. Er besucht Lehrgänge, liest Fachliteratur und kommuniziert mit anderen Züchtern", schwärmt Opa Gunther Zetzmann. Kein Wunder: Patrick tritt in die Fußtapfen seines Großvaters. Schon zu DDR-Zeiten züchtete dieser ostfriesische Milchschafe und betreibt seit vielen Jahren mit Unterstützung von Ehefrau Elisabeth ein kleines Fachgeschäft im Haus. Wolle, Fellwaren, Landhausmode - jetzt natürlich auch Alpaka-Produkte sind im Angebot. Zetzmanns haben sich in vielen Jahren Verbindungen zu etwa 40 Zulieferern aufgebaut. Der geschorene Flies der Alpakas und der Schafe wird in Görlitz verarbeitet, kommt in vielen Varianten zum Erzeuger zurück - und wird besonders jetzt vorm Winter verstärkt nachgefragt. Wie wertvoll Alpaka-Wolle ist, wurde übrigens schon von den alten Inkas bemerkt. Sogar Kriege gab es deswegen. "Die Alpaka-Faser ist noch weicher und dichter als die des Schafes. Weil sie fettfrei ist, riecht sie nicht, und wer Kleidung aus dieser Wolle trägt, schwitzt darin nicht", klärt Patrick auf.

Um einer häufig gestellten Frage zuvorzukommen: Nein, Alpakas sind keine Schlachttiere, ihr Fleisch wäre zu kostbar. Sie werden bis zu 20 Jahre alt, denn kein Alpaka-Freund könnte ihre braunen Augen vor der Zeit auslöschen.

Etwa 4000 Tiere gibt es bereits in Deutschland, unter anderem auch in Kölsa, Sonnewalde, Hohenbucko, Ahlsdorf und Holzdorf. Hierzulande werden sie allerdings kaum als Lastentiere eingesetzt, sondern erfreuen ihre Halter zumeist als Rasenmäher und Wollspender. Fast ständig kauend sind sie auf der Koppel friedlich unterwegs; suchen bei Störungen eher das Weite, als dass sie angreifen würden.Außer Gras, Heu und Wasser brauchen Alpakas nur hin und wieder etwas Kraftfutter mit Vitaminen - vor allem die Stuten, wenn sie säugen. Patrick zeigt am Wiesenrand auf einen kreisrunden Fleck mit dunklen "Murmeln": "Ein weiterer Vorteil - die lamaähnlichen Tiere sind sauberer als Schafe, machen ihr Geschäft nicht wo sie gehen und stehen, sondern nutzen eine zentrale Toilette."

Seitdem der Enkel studiert und nur alle paar Wochen nach Hause kommt, hat sich Opa zum "Oberstallburschen" ernannt. Auch Oma und die Eltern helfen. Oft genug aber wählt der 69-Jährige die Handy-Nummer des 20-Jährigen und fragt nach. Um den Tierarzt und die Schur kümmert sich Patrick trotz seines Studiums selbst, organisiert Fahrten zu Tierschauen und anderes mehr. Wie reagieren die Kommilitonen? "Die sind begeistert. So ein Hobby hat kein anderer. Ich muss immer viel erzählen", freut sich Patrick.

Mit ihren überlangen Hälsen, dem fast lautlosen Gang und dem Kuschelpelz, aus dem die braunen Kulleraugen beruhigend und freundlich blicken, scheinen Alpakas die verkörperte Sanftmut zu sein. Diese Eigenschaft macht sie auch in Deutschland als Therapie-Tiere für verhaltensauffällige, behinderte und auch missbrauchte Kinder interessant.

Seine kleine Herde möchte Patrick auf jeden Fall vergrößern. Zwar will er später hauptberuflich Stadtplaner werden, "doch die Alpakas bleiben bei mir", sagt er und wuschelt Fanny durchs Fell. Und die Freundin? Er lacht: "Die Eine gibt es noch nicht." Kein Wunder, "Sie" müsste mindestens ebenso schöne Augen wie Fanny haben.