Ich antworte dann in aller Regel, dass ich mich für Wetterbestellungen nicht zuständig fühle.

Ein guter Draht nach oben ist aber kein Privileg von hoher Geistlichkeit, ganz im Gegenteil. Das, was so lustig klingt und oft auch nicht ganz ernst gemeint ist, verbirgt doch eine Sehnsucht, die viele Menschen teilen. Dieser gute Draht ist eine unsichtbare Verbindung zu Gott, den wir nicht sehen, doch aber in unserem Leben spüren können. Wer einen guten Draht nach oben besitzt, steht im Kontakt zu Gott.

Wie das funktioniert, erklärt uns ein Vers aus einem kleinen Buch im Alten Testament. Im Buch Daniel lesen wir: Wir liegen vor dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. (Daniel 9,18)

Daniel weiß, dass in seinem Leben nicht immer alles gut gelaufen ist. Im Rückblick auf verschiedene Ereignisse tut ihm vieles Leid. Er spürt aber auch, dass es mit einer einfachen Entschuldigung oft nicht getan ist. In dieser Situation wendet er sich an Gott. Er spricht mit Gott, auch wenn er ihn nicht sehen kann.

Daniel betet. Seine Gedanken und Worte haben einen Adressaten: Gott hört ihn. Und mehr noch: Gott erhört ihn. Gebete bleiben nicht folgenlos.

Wenn wir uns an Gott wenden, dann dürfen wir damit rechnen, dass dieser Kontakt unser Leben ändern wird. Zwar ist Gott keine Wunschmaschine, die alles nach unseren Vorstellungen gestaltet. Aber unsere Gebete erreichen Gottes Ohr und Herz. Gott will uns stärken und verändern. Davon lesen wir an vielen Stellen der Bibel. Das ist es, was Daniel meint, wenn er von großer Barmherzigkeit spricht, die viel weiter reicht als unsere Vorstellungen von Gerechtigkeit.

Wir alle haben einen guten Draht nach oben, wir müssen ihn nur aktivieren. Beten kann jede und jeder - probieren Sie es aus.

Kerstin Strauch ist Pfarrerin in Luckau