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| 01:23 Uhr

Eine Zug-Ära geht in Briesnig zu Ende

Derzeit werden die letzten Schienen im Bereich Briesnig demontiert. Foto: aha1
Derzeit werden die letzten Schienen im Bereich Briesnig demontiert. Foto: aha1 FOTO: aha1
Briesnig. In Briesnig wird derzeit das letzte Teilstück des alten stillgelegten Schienenstranges abmontiert. „Geht das denn mit rechten Dingen zu ?“, fragten sich da einige Einwohner.

Sie glaubten, Schrottdiebe wären zugange, als am Montag damit begonnen wurde, die Schienen herauszunehmen. “Die Strecke 6573, der 3,55 Kilometer lange Schienenstrang zwischen Forst und Briesnig, wurde am 1. Dezember verkauft„, bestätigte Gisbert Gahler vom Regionalbüro für Kommunikation Berlin der Deutschen Bahn AG. Damit verschwindet erneut ein weiteres Zeugnis, das an die Bahnlinie erinnert.

Am 10. Dezember 1903 lief der erste Zug mit Arbeitern auf dem Bahnhof Briesnig ein. Am 31. Mai des folgenden Jahres wurde die Eisenbahnnebenlinie zwischen Forst und Guben eingeweiht. Das Bahnhofsgebäude aus rotem Backstein, das zum damaligen Zeitpunkt durch den Forster Zimmermeister Hohlfeld Junior erreichtet wurde, galt lange als eines der bemerkenswertesten Bauwerke im Ort.

Seitdem hat sich nicht nur die Schreibweise des Ortsnamens verändert, der bis vor rund 50Jahren noch “Briesnigk„ lautete. Die zunehmende Bedeutung des Kraftverkehrs in der DDR führte 1981 zur Schließung der Bahnlinie Forst-Guben. “Am 31. Juli fuhr der letzte Personenzug durch Briesnig„, berichtete Ludwig Röhrs, der dem Briesniger Heimatverein angehört. Wiederum zwölf Jahre später rollte auch zum letzten Mal ein Güterzug die Strecke entlang.

Vor beinahe fünf Jahren fand das damals bereits 15 Jahre lang leer stehende Bahnhofsgebäude einen Käufer. Er wollte dort unter anderem einen sozialen Verein unterbringen, um jungen Heranwachsenden mit der Einrichtung eines Servicepunktes am Oder-Neiße-Radweg für Radtouristen eine Chance zu geben.

Unverändert kündet das “Restaurant Zur Eisenbahn„ davon, dass der Ort einst an der Eisenbahnnebenlinie Forst-Guben lag. “Diesen Namen trug unser Gasthof schon, als ihn mein Großvater Emil Buder gründete.„ Das werde sich auch in Zukunft nicht ändern, so der jetzige Gastwirt Werner Buder (75). In den vergangenen Tagen beobachteten die Briesniger das Gelände und den Pegelstand der Neiße besonders aufmerksam, denn an dieser Stelle brach am Morgen des 6. Juli 1958 der Damm auf einer Breite von rund 50 Metern. Nur wenig später unterspülte das Neißehochwasser, das drei Meter über dem Normalpegel stand, auch den Bahndamm und drang über die Gubener Chaussee vor. Briesnig musste daraufhin evakuiert werden. Armee und Polizei, Freiwillige, Feuerwehrleute und Angehörige des Roten Kreuzes waren damals Tag und Nacht im Einsatz. Vier Waggons Bohlen, Steine und 100 000 Sandsäcke wurden an der Bruchstelle versenkt. Soldaten einer Pioniereinheit brachten Pontons ein, um die Fluten zu bremsen. Sechs Meter stand das im Normalfall lediglich kniehohe Wasser und hatte sich auf eine Breite von 200 Metern ausgedehnt. Das war das Zehnfache der üblichen Flussbreite. Angela Hanschke