Eine Bemerkung des US-Präsidenten Donald Trump ("You look at what's happening last night in Sweden") zielte auf diese Berichte.

"Wir haben einen drastischen Anstieg an Schießereien und Morden gehabt", sagt der Kriminologe Manne Gerell. 17 Menschen sind in Malmö, einer Stadt mit nur etwa 330 000 Einwohnern, seit Anfang 2016 auf offener Straße getötet worden. Hinzu kommen noch mehrere völlig anders gelagerte Fälle von Mord und Totschlag. Eine Zahl zum Vergleich: In der deutschen Großstadt Hannover mit rund 530 000 Einwohnern gab es im ganzen Jahr 2016 elf vollendete Tötungsdelikte.

Hinter vielen der Taten von Malmö sollen Machtkämpfe in kriminellen Netzwerken stecken. Doch die Polizei ist hilflos, sie hat in vielen Fällen noch nicht einmal einen Verdächtigen präsentiert. "Sie kennen die meisten Menschen, die in diesen Netzwerken aktiv sind, aber sie tun sich schwer damit, Beweise zu finden", meint Gerell.

Der umstrittene russische Sender RT nennt Malmö wegen der Gangs und Gewalttaten das "Chicago Schwedens". Wer an einem Frühlingstag durch den von vielen Migranten bewohnten Stadtteil Möllevången, Spitzname "Möllan", schlendert, sieht statt düsterer Gestalten junge Frauen ihre Kinderwagen vor sich herschieben und Rentner in der Sonne sitzen.

Am Möllevångstorget, erst im Februar Schauplatz eines Verbrechens, geht es geschäftig zu. Im Feinkostladen "Möllans Ost" decken sich drei ältere Damen mit isländischen Bonbons ein. Angst, dass ihr etwas passieren könnte, habe sie nicht, sagt die Verkäuferin. "Es war ja keine zufällige Schießerei."

An einer Ecke des Platzes erinnern Rosen und ein großes Foto an den 23-Jährigen, der hier vor einem Thai-Restaurant erschossen wurde. Nach Angaben der Polizei war er in Drogengeschäfte verwickelt gewesen. Genau diese Konflikte im Drogenmilieu seien das Problem, erzählt Marvin, der seit zwei Jahrzehnten auf dem Markt in Möllan Auberginen, Gurken und Karotten anbietet. "Die Stadt ist nicht mehr dieselbe."

Als Kind kam der kräftig gebaute Verkäufer vor 40 Jahren aus dem Libanon nach Schweden. Trotzdem meint er heute: "Wir haben zu viele Menschen reingelassen. Wir brauchen strengere Regeln." Solche Sätze sind Musik in den Ohren der schwedischen Rechtspopulisten.

"Diese Verbrechen sind keine Frage des ethnischen Hintergrunds, sondern der sozialen Klasse", widerspricht Malmös Bürgermeister für Umwelt und Sicherheit, Andreas Schönström. "Aber darüber spricht niemand." Viele der rund 150 bis 200 organisierten Kriminellen in der Stadt hätten zwar ausländische Wurzeln, sagt der Sozialdemokrat. "Aber das ist nicht der Grund. Sondern, dass die Leute in diesen Gegenden unter schlechten Bedingungen leben."

Mit "diesen Gegenden" meint der Politiker solche Viertel wie Sofielund in der Nähe von Möllan und Rosengård, wo zuletzt Ende März ein 23-Jähriger erschossen worden war. Das Opfer war den Polizeiangaben zufolge ein Augenzeuge bei einem Mord an einem 16-jährigen Jungen im selben Stadtteil im Januar gewesen. Er war vor seinem Tod bedroht worden.

"Wir haben ihm Schutz angeboten, aber er wollte nicht mit uns zusammenarbeiten", sagt Polizeisprecher Lars Förstell. "Vielleicht, weil er mit Drogen gedealt hat." Es ist eine der wenigen Taten, nach denen die Polizei Verdächtige festgenommen hat. Zum Abschluss bringen konnte sie die Ermittlungen bisher nicht.

"Vor einigen Jahren hat die Polizei die Anführer im Bereich der organisierten Kriminalität ins Gefängnis gesperrt", sagt Schönström. "Womit wir es jetzt zu tun haben, ist ein Kampf um Macht in diesen Netzwerken zwischen sehr jungen Männern." Im Durchschnitt seien sie 22 Jahre alt. "Sie haben viele Waffen (. . .) und nutzen sie sehr leicht, um ihre Streitigkeiten auszutragen."

Die Nähe zu Mitteleuropa ist für die Transit-Stadt Segen wie Fluch. "Die meisten Waffen kommen durch Malmö nach Schweden", sagt der Forscher Gerell. Viele Menschen, die in das Land kommen, erreichen es über die Stadt am Öresund.

In Malmös Pro blemvierteln ändere sich jedes Jahr rund ein Viertel der Einwohnerschaft: "Wenn sie auf dem schwedischen Arbeitsmarkt Fuß gefasst und ein Einkommen haben, ziehen sie so schnell sie können um", sagt Schönström. "Aber die Armut und die sozialen Probleme und die Kriminalität bleiben in der Gegend."

Das will die Stadt unter anderem mit einem Projekt in Sofielund ändern, einem der 15 schwedischen Viertel, die die Polizei als besondere Problemgegenden ausgemacht hat und ausländische Medien als "No-Go-Areas" deklariert haben. Hier sammelt der lokale Fußballverein abends streunende Jungen von der Straße auf, Immobilienbesitzer werden für verwahrloste Gebäude zur Verantwortung gezogen, und eine Putzkolonne auf Fahrrädern räumt täglich das Viertel auf.

In einem für Drogengeschäfte berüchtigten Block blinken Überwachungs-Kameras von den Häuserwänden.