Havoc Marche bewegt sich in fließenden, windenden und nahezu schlangenartigen Bewegungen durch die Straßen von Bushwick in New York. Der 25- Jährige ist einer der berühmtesten Flexer der US-Metropole. Flexing (deutsch: biegen) ist eine Tanzart, die aus den schlechteren Vierteln im Stadtteil Brooklyn stammt.

Der Trend hat sich schon in den frühen 1990er-Jahren in East New York entwickelt und bietet Jugendlichen aus Problembezirken eine Alternative zu Gangs und Kriminalität. Heute ist es ein Ventil für junge Leute, um ihren Emotionen freien Lauf zu lassen und auch, um ihren Ärger und Frust über Rassendiskriminierung in Amerika zu zeigen.

"Unsere Bewegungen drücken aus, woher wir kommen, mit welchen Problemen wir gerade kämpfen. Wir erzählen Geschichten, die viele nachempfinden können - Wut, Liebe, Trauer", sagt Marche. Er stammt aus Bedford-Stuyvesant in Brooklyn und begann Flexing im Alter von 14 Jahren. "Da, wo mir Worte oft fehlen, hilft mir der Tanz."

Quelle: YouTube, User: Thrash Lab

Den Flexern geht es um viel mehr als nur um Street Dance. Es ist für sie Ausdruck einer ganzen Kultur. "Flex N Brooklyn", ein wöchentlicher Showcase, welcher in Red Hook, Brooklyn, im Jahre 1993 begann und sich dann auf andere Stadtteile ausbreitete, brachte jede Woche junge Leute zusammen, damit sie ihre improvisierten Freestyle-Kreationen zeigen und um den Titel "King of the Streets" tanzen konnten.

Flexing vereint sieben verschiedene Tanzstile. Da ist etwa das "Bone Breaking", das sich zu einem herausstechenden Merkmal entwickelt hat. Tänzer verdrehen ihre Schultern und Gelenke um 180 Grad, so dass es aussieht, als würden sie wortwörtlich beim Tanzen ihre Knochen brechen. Bei "Get Low" müssen Tänzer enorme Muskelkraft aufbringen, um minutenlang am Boden hockend fließend zu tanzen und "Pauzing" ist berühmt für seine ruckartigen Bewegungen.

Reggie "Regg Roc" Gray gilt als Pionier in der Szene. "Flexing ist unsere Kultur und hat eine ernste Botschaft. Vor allem nach dem Tod von Michael Brown in Ferguson, Eric Garner in New York und Trayvon Martin in Florida - und generell in Zeiten von Rassendiskriminierung und Jugendkriminalität ist es wichtig, einen Gegenpol zu schaffen." Der 33-Jährige ist überzeugt, dass Flexing für die Welt des Tanzes so bedeutend werden wird wie Ballett.