Alles von der Luft aus, alles im Flug.

Deutscher Meister 2006
Andreas Seyfert, Unternehmer und Vize-Präsident der Indus trie- und Handelskammer Rostock, hat ein extravagantes Hobby: das Hubschrauberfliegen. Mit seinem Teampartner Benno Schultz wurde er 2006 sogar Deutscher Meister. Weniger Glück hatte er im vergangenen Jahr. Doch für die Hubschrauber-Weltmeisterschaft 2008, die ab heute in Eisenach ausgetragen wird, gilt der 50-Jährige wieder als Spitzenmann der deutschen Nationalmannschaft. „Zweiter wollen wir da schon werden“ , sagt Seyfert.
Vor einigen Jahren gründete Seyfert eine Agentur, die Hubschrauber- Events ausrichtet. Meist chartert er dazu die Berufspiloten gleich mit. Aber bei der Überführung der Maschinen darf er oft selbst ans Steuer. Heute besitzt Seyfert einen eigenen Helikopter, einen Hughes 300 aus zweiter Hand. Er fliegt etwa 150 Stunden im Jahr, beruflich wie privat. Sogar eine kleine Flugschule betreibt der gebürtige Mansfelder.
Dabei war Seyfert ursprünglich in ganz anderen Höhenlagen zu Hause. Sein Berufsleben begann unter Tage, in einem Kalischacht. Dort lernte er E-Monteur. Doch im Berg hielt es ihn nicht lange. Er heuerte auf einem Segelschulschiff an, studierte an der Marineschule in Stralsund. Das Patent als nautischer Offizier machte ihn zugleich zum Ingenieur für Verkehrswesen. Nach Feierabend vertiefte er sich noch in die Schiffselektronik, und auch wenn auf See mal die Maschine muckte, machte er sich „gern mal die Hände dreckig“ . Das fiel auf: 26-jährig berief man ihn als Lehrer an die Marineschule. Hier scharte Seyfert alsbald Studenten um sich und tüftelte mit ihnen an Neuerungen. Sogar ein kleines Forschungsbudget bekam er.

Von der Marine in die Schule
Seyfert verließ die Marine noch zu DDR-Zeiten, wechselte als Elektroniklehrer an eine Berufsschule. Doch die nahende Wende zwang auch ihm eine weitere Wende auf: Er hatte zwar bei der Flotte sein Diplom als Ingenieur für Regelungstechnik gemacht, doch ein ausgewiesener Pädagoge war er nicht. Seine Zukunft schien ungewiss.
„Das war die Geburtsstunde meiner Selbstständigkeit“ , erinnert er sich. Der 50-Jährige meldete erst einen Elektronikhandel an, übernahm später eine Firma, die Stahlseile konfektioniert, verkaufte diese wieder und gründete eine Werbeagentur. Dann lockten Seyfert höhere Gefilde, zunächst beim Hochbau. Er makelte mit Immobilien, managte den Bau einer Neubausiedlung, agierte als Bauplaner und -leiter. Schließlich wurde er sein eigener Architekt. Sein Geschäftshaus in Hafennähe konstruierte er sich de facto am Computer selbst. Heute setzt er im Jahr mehr als 1,5 Millionen Euro um.
Doch damit nicht genug. Seyfert gründete prompt noch eine Firma, die für große Solaranlagen Steuerungen, Software und Wirtschaftlichkeitsberechnungen erarbeitet. Sogar Patente für eine verbesserte Solartechnik hat der im vergangenen Jahr eingereicht. Immerhin, so sagt er lachend, komme er ja in seinem Hubschrauber der Sonne näher als manch anderer in diesem Metier.