Knapp 800 000 Euro hat sich die Stadt Cottbus noch im Jahr 2010 das Stadtmuseum kosten lassen. Doch die städtischen Mittel für die Einrichtung gehen in den kommenden Jahren massiv zurück. Im Haushaltssicherungskonzept ist festgeschrieben, dass im Jahr 2014 gerade einmal noch rund 450 000 Euro übrig bleiben. Vor allem am Personal wird kräftig gespart. Gab es für Stadtmuseum und Archiv im Jahr 2000 noch 18 Stellen, bleiben im Jahr 2014 noch acht übrig. Doch was ist damit künftig noch zu bewegen?

„Wir werden uns auf stadtmuseale Themen beschränken“, sagt Berndt Weiße. Im ehemaligen Bezirksmuseum lagerten noch immer Tausende Erinnerungsstücke aus dem Gebiet, das bis ins heutige Sachsen reicht. Bisherige Versuche, einen Teil der eigenen Exponate zum Beispiel an Landesmuseen abzugeben, seien fehlgeschlagen. Doch hier steckt ein Kernproblem. „Welchen Sinn macht es, einen Riesenfundus zu verwalten“, fragt der AUB-Stadtverordnete Dieter Schulz? Ähnlich hatte sich auch Eberhard Richter (Linke) vor wenigen Tagen geäußert. Eine seiner Hauptforderungen nimmt auch die Verwaltung auf: Die musealen Aktivitäten sollen sich noch mehr konzentrieren. So soll das derzeitige Ausweichquartier in der Hallenser Straße aufgegeben werden, wenn denn das Gebäude in der Bahnhofstraße ertüchtigt ist. Die marode Elektroleitung ist dort jetzt vom Netz genommen worden. Ein Provisorium wird gegenwärtig installiert. Zumindest im Erdgeschoss werden Leitungen auf den Putz verlegt, damit das Archiv weiter arbeitsfähig ist. Anfang Dezember will die Verwaltung ein Konzeptentwurf vorlegen. Bis dahin hofft Berndt Weiße auf belastbare Aussagen zur Sanierung des Gebäudes.

„Die Entwicklung der rein städtischen Museen in Cottbus ist mindestens seit 1997 eine Katastrophe in kleinen, aber gezielten Schritten.“ Das sagt Rolf Striegler. Erst im Mai dieses Jahres durfte sich der Geologe gemeinsam mit seiner Frau in die Ehrenchronik der Stadt eintragen. Mehr als 30 Jahre hatten sich die Wissenschaftler mit der Suche nach Spuren aus der Vergangenheit beschäftigt. Rund 55 000 Objekte sind von ihnen zum Beispiel bei Ausgrabungen in Tagebaufeldern zusammengetragen worden. Seinen während der Auszeichnung geäußerten Wunsch sieht Rolf Striegler jetzt in akuter Gefahr. „Das Naturkundemuseum soll in absehbarer Zeit wieder eröffnet werden, damit es seine Aufgabe erfüllen kann“, hatte Rolf Striegler gesagt. Der Geologe spricht von einer „verfehlten Museumspolitik der Landesregierung und der Stadt“, die von den Stadtverordneten, obwohl diese zu den Museen überwiegend positiv eingestellt waren, zugelassen worden sei. „Beispielsweise sieht das für das Naturmuseum so aus, dass beim Land nicht der vom Museumsverband Brandenburg angestrebte Status eines Landesmuseums für Naturkunde durchgesetzt wurde, dass Sponsoren nicht zugelassen wurden, dass die finanzielle und personelle Ausstattung radikal abgebaut wurde“, so Striegler. Während zum Beispiel das Pücklermuseum vor einigen Jahren eine großzügige private Spende für die Gestaltung seiner neuen Dauerausstellung erhalten hatte, wurden die Ausstellungen des Naturmuseums weitgehend von seinen Mitarbeitern selbst finanziert. „Die Entscheidung, dass das Stadtmuseum nach einjähriger Schließung geschlossen bleibt, weil nun plötzlich die Elek troanlage Schwierigkeiten mache, ähnelt der Taktik, wie das Naturmuseum 2005 geschlossen wurde“, sagt der Cottbuser. Damals musste das Naturmuseum wegen Brandschutzmängeln aus beiden Standorten Am Amtsteich und Kavalierhaus ausziehen. „Kurz danach wurden diese Mängel für andere Nutzer beseitigt, aber das Naturmuseum hat seit dieser Zeit keine Ausstellung mehr“, sagt Rolf Striegler.