Seit Anfang April kümmert sich Pfarrer Reinhard Menzel um die Belange der Studierenden der Stadt - und übt scharfe Kritik am deutschen Bildungssystem. "Viele, die heute studieren, hätten früher vielleicht eine Berufsausbildung angefangen", sagt Menzel. "Mancher Schüler hat sich seit der Grundschule trotz mangelnden Grundkompetenzen beim Lesen, Schreiben oder Rechnen tapfer durch das Bildungssystem gekämpft und stößt nun beim Studium an seine Grenzen." In der Cottbuser Studentengemeinde, wohlgemerkt ökumenisch angelegt, wollen Menzel und Mitglieder ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Studenten haben. "Wir können sie begleiten, nötige Fragen stellen. Doch die Antwort muss jeder selbst herausfinden - ob etwa ein anderer Bildungsweg der bessere wäre." Reinhard Menzel bringt für seine neue Aufgabe jahrelange Erfahrungen aus der kirchlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Niesky, Schleife und Hoyerswerda mit. "Das Schöne an Studenten ist, dass sie Fachwissen haben, aber von beruflichen Sachzwängen und Verantwortlichkeiten weitgehend frei sind. Dadurch können sie viel radikaler Position beziehen."Jeden Dienstagabend trifft sich die Studentengemeinde Cottbus, dann wird gegessen, gebetet und leidenschaftlich debattiert - zu aktuellen Themen wie Energiepolitik und Kohleproblematik der Region oder zu den traditionellen Fragen der Studentengemeinde: Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung. "Zudem steht die studentische Mitbestimmung heutzutage nicht mehr nur auf dem Papier", so Menzel, der mit der Superintendentin des evangelischen Kirchenkreises Cottbus, Ulrike Menzel, verheiratet ist. Gemeinsam hat das Paar einen dreijährigen Sohn Matthias. Doch der 47-Jährige will sich nicht nur um die Gemeinde kümmern, er möchte Ansprechpartner für jeden Cottbuser Studenten sein, der das Gespräch sucht, ob mit oder ohne Konfession. "Der Leistungsdruck stellt sicher ein großes Problem für viele Studenten dar, weil sie zum Beispiel das Lernen selbst organisieren müssen."Als einen der nächsten Schritte plant Menzel die Vernetzung mit anderen christlichen Gruppen an den Hochschulen. So gebe es etwa eine kleine chinesische Gemeinde und viele Christen aus Afrika, die sich in kleinen Kreisen treffen. Neben der Vernetzung wolle er sich in den kommenden Wochen erstmal in den Studienbetrieb einarbeiten. "Schließlich ist mein eigenes Theologie-Studium schon mehr als 20 Jahre her", sagt Menzel. Jan Grundmann Die Studentengemeinde Cottbus trifft sich jeden Dienstag ab 19.30 Uhr in der Schillerstraße 56. Im Internet ist sie unter www.studentengemeinde.org erreichbar.