Bei Lesungen in der BücherKammer Herzberg, am Sängerstadt-Gymnasium Finsterwalde, dem Elsterschloss-Gymnasium Elsterwerda, dem Evangelischen Gymnasium Doberlug-Kirchhain, im Kulturhaus Plessa und im alten Pfarrhaus Saathain las sie aus ihrem Lyrikband "Kein Tamtam für diesen Tag", stellte neue Gedichte vor und kam mit den Besuchern der Lesungen ins Gespräch.Vor allem mit jungem Lesepublikum kam sie besonders gern in Kontakt. Am Sängerstadt-Gymnasium stellten talentierte Schüler eigene Texte vor. Lydia Daher lobte zum Beispiel jene von Luise Eichler ausdrücklich. "Wenn Euch das Schreiben ein Bedürfnis ist, lasst Euch nicht beirren", ermutigte sie die jungen Leute. Sie selbst, 1980 in Berlin als Kind deutsch-libanesischer Eltern geboren, zählt zu den jungen und bereits erfolgreichen Autoren in der deutschen Lyrikszene. Mit ihren Texten stellte sie das unter Beweis. Alltagsprobleme, in anschauliche Metaphern gekleidete Beobachtungen der Umwelt und menschlicher Verhaltensweisen belegen ihr Talent. Die jungen Zuhörer hörten lakonische, aber auch sehnsüchtig-melancholische Texte, die als atmosphärische Momentaufnahmen auch angriffslustig daherkamen und zum Nachdenken zwangen. Oft auf ironisch-humorvolle Art: "Ein Schalk im Nacken ist besser als Genickstarre."Der ausgeprägte Rhythmus ihrer Gedichte belegte ihr zweites Talent, Songtexte zu schreiben und damit auch selbst aufzutreten, was sie in den vergangenen Jahren bei Konzerten und Slam-Poetry-Wettbewerben erfolgreich getan hat. Wenn auch nicht alle Texte von den Schülern sofort erschlossen werden konnten, so stellten sie Fragen zu einzelnen Aussagen, wie Lydia Daher zu ihren Ideen kommt und wie ihre Arbeitsweise ist. Vor allem mit ihren Liebesgedichten und Versen wie "Als es schlimm wurde mit dem Glück" traf Lydia Daher Empfindungen der Elf- bis 13-Klässler. Oft seien es spontane Einfälle und bestimmte Situationen und Beobachtungen, die sie zu ihren Texten inspirieren, verriet die junge Lyrikerin. ,,Die Worte haben mir bisher noch nicht gefehlt", verneinte sie, ob es denn auch Schreibhemmungen gäbe. Sie selbst sei vor allem durch die Beat-Poeten zum eigenen Schreiben, "in dem Alter wie Ihr", angeregt worden. Vor allem liebe sie Dichter mit einer "Grundwut" im lyrischen Gestus. "Ich möchte da auch noch radikaler werden", hat sich Lydia Daher vorgenommen. Unabhängig davon, was gerade modisch angesagt sei, wohl wissend, dass sie als freie Autorin von den Lyrikproduktionen allein nicht leben kann. Deshalb fährt die studierte Medienpädagogin gern zu Lesungen und bietet Schreibseminare an. Stolz ist sie schon, dass sie mit dem Märkischen Literaturpreis eine Qualitätsmarke gesetzt hat. Jürgen Weser