Scholl studiert Nachrichtentechnik in Stuttgart, promoviert und arbeitete sich zielstrebig nach oben. 1978 ist er mit 43 Jahren einer der jüngsten Geschäftsführer, die Bosch je hatte.

Hermann Scholl galt im Unternehmen als harter Arbeiter. Gab es ein Problem, ging er ihm auf den Grund. Er nahm immer wieder Versuchswagen mit nach Hause. Unter Scholls Führung brachte Bosch Technologien voran, die heute für Autofahrer selbstverständlich sind. Er führte die Benzin-Direkteinspritzung zur Serienreife, unter seiner Ägide wurden das Anti-Blockier-System (ABS) und das elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) entwickelt.

Auf ABS und ESP sei er ein bisschen stolz, sagt Scholl: "Heute ist ESP in Europa und den USA in jedem Neuwagen Pflicht. Und für 2016 wird es in Europa auch verbindlich für Motorräder vorgeschrieben."

Scholl, jetzt Ehrenvorsitzender des Technologie-Konzerns ist, kommt noch immer täglich ein paar Stunden ins Büro. Mit dem amtierenden Bosch-Chef Volkmar Denner sei er regelmäßig in Kontakt, spreche mit ihm etwa über neue Technologien. Ein zentrales Thema sei dabei die Elektromobilität. Wichtig seien hier leistungsfähigere und preiswertere Batterien.

Franz Fehrenbach, bis 2012 Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung und jetzt Vorsitzender des Aufsichtsrats sagt über Scholl, er habe einen überragenden analytischen Verstand: "Ich habe nie wieder jemanden kennengelernt, der so präzise arbeitet." Vorlagen, die sprachliche Fehler hatten, gab Scholl zurück. "Wenn etwas sprachlich nicht sauber ist, dann ist es auch sonst nicht durchdacht", sagte Hermann Scholl dazu einmal.

Scholl, ein passionierter Cello-Spieler, ist Freund leiser Töne. Auch sein Abschied vom operativen Geschäft ist still und bescheiden: eine Aufsichtsratssitzung, ein Abendessen.

Seinen 80. Geburtstag am Sonntag, den 21. Juni, wolle er ebenso begehen: im privaten Kreis.