"Armee war hier schon immer. Früher Deutsche, dann wir Polen und jetzt Amerikaner", sagt ein pensionierter Offizier, heute Kioskbesitzer. Rechts von seinem Kiosk befinden sich Reste eines Freibads. "Noch aus deutschen Zeiten", erklärt er. Links steht das alte Wachhaus, auch von Deutschen gebaut, als hier die Luftwaffe stationiert war. Von hier aus flogen am 1. September 1939 Flugzeuge nach Polen. Und als sich die Geschichte drehte, nutzte Polen nach dem Krieg das Wachhaus.

Im Fokus der MedienGefragt nach dem Standort für den Schild zeigt der ehemalige Offizier eine Siedlung. Dreistöckige Häuser in Pastellfarben. Vor den Häusern wachsen Vogelbeerbäume und Rosen, stehen Bänke. Kinder auf Fahrrädern, junge Frauen mit Kinderwagen, Rentner mit Einkaufstaschen ziehen vorbei. Hinter dem letzten Wohnhaus versperrt ein Stacheldrahtzaun den Weg. "Eintritt verboten" steht dort auf einer Tafel.

"Und wieder werden wir zum Ziel", sagt Teresa, die ihren Nachnamen nicht nennen will. Ihr Wohnhaus steht direkt an dem Zaun. "Gerade vor einem Jahr haben wir die Häuser renoviert. Endlich sollten wir Ruhe und Komfort haben. Und jetzt?", fragt sie. "Hallo, du Star", wird sie ständig begrüßt, seitdem sie in mehreren Fernsehsendern zu sehen war. Statistisch gesehen wurde fast jeder Bewohner von Redzikowo in den Medien zitiert.

Nach anonymen Umfragen sind über 60 Prozent der 1500 Reitzer gegen den Schild. Doch wer mit den Leuten spricht, stößt auf Gleichgültigkeit. Gemeindevorsteher Mariusz Chmiel erklärt: "Hier leben viele Menschen, die selbst für die Armee arbeiten oder Armeeangehörige in ihren Familien haben. Sie haben Angst, ihren Job aufs Spiel zu setzen."

Der 51-jährige Chmiel wurde in ganz Polen als Kämpfer bekannt. Seit zehn Jahren ist er als Gemeindevorsteher für seine Region aktiv. Kämpft um eine neue Schule, Investoren, einen Aquapark. Doch dass sich der provinzielle Verwalter ausgerechnet gegen die größte Weltmacht stellt, damit hat kaum jemand gerechnet.

Dass die Amerikaner mit den Menschen in Redzikowo Geschäfte machen werden, glaubt dort kaum jemand. "Sie werden wie in einem Ghetto unter sich leben", prognostiziert der Kioskbesitzer. "Sie werden bei uns nicht einmal ein Würstchen kaufen." Andrzej Kotlicki, der Vorsitzende des Siedlungsrates, glaubt den Grund zu kennen: "Aus Angst. Das haben uns Deutsche und Dänen erzählt, die hier Messungen für den Schild gemacht haben."

Es wird also keine wirtschaftlichen Vorteile geben. Noch schlimmer, fürchtet Andrzej Kotlicki: Investoren könnten aus der Region flüchten. "Wer baut sein Geschäft direkt bei einem Raketenschild?", fragt er. Deshalb fordert er, dass, wenn sie schon mit ihren Raketen nach Redzikowo ziehen, die Amerikaner sich auch in der regionalen Wirtschaft engagieren müssten.

Bürger wurden nicht gefragtAls die Bürger in Redzikowo bei den Verhandlungen mit den USA von der damaligen Regierung Kaczynski ignoriert wurden, schrieb Chmiel direkt an die Amerikaner und wurde zu Gesprächen eingeladen. Ministerpräsident Kaczynski rügte ihn, der damalige Oppositionsführer Donald Tusk nahm ihn in Schutz. "In einer Demokratie darf Politik nicht hinter dem Rücken der Bürger geführt werden, sagte Tusk damals", erinnert sich Chmiel sarkastisch. "Jetzt, als Ministerpräsident, sagte Tusk, wir hier vor Ort hätten nichts zu sagen."

Investoren kommen kaum noch nach Redzikowo. "Ein Reifenhersteller aus Indien wollte hier ursprünglich eine Fabrik mit 4000 Arbeitsplätzen bauen", erzählt Chmiel. Doch das Gebiet gehört dem Staat. Als die Inder nach Warschau fuhren, hätte mit ihnen niemand sprechen wollen. "Jetzt denke ich mir, schon damals wollten die Amerikaner, dass hier alles frei bleibt", sagt der Gemeindevorsteher misstrauisch. n-ostMehr zum Raketenschild in Redzikowo lesen Sie unter: www.lr-online.de/raketenschild