"In Burg wurde die Ostersemmel ohne Unterbrechung gebacken - bis heute", erzählt Heidemarie Mieth, die Ehefrau des Burger Bäckermeisters Werner Mieth. Der Familienbetrieb wurde 1979 gegründet und bäckt seit dieser Zeit die Ostersemmel für die Burger. "Sie wird ja nicht mehr als Patengeschenk gebraucht, aber die traditionsbewussten Burger kaufen sie dennoch wieder öfter", sagt Meister Mieth. Die Semmel in Form eines Palmwedels erinnert in der christlichen Tradition an den Einzug Jesu in Jerusalem.Über die Rezeptur will sich Werner Mieth nicht weiter äußern, nur dass die Ostersemmeln "aus einem besseren Brötchenteig sind, mit einem bisschen mehr Butter drin". Der Teig wird gefaltet, die Palmwedelstruktur mit einem Kamm eingestochen. Die Semmel gibt es in zwei Größen. Der Hauptverkauf findet Gründonnerstag und Ostersamstag statt. "150 Stück werden dann wohl wieder über den Ladentisch gehen", vermutet Heidemarie Mieth, die den Laden in der Burger Hauptstraße 39 im Griff hat.Als Patengeschenk war sie einst sehr beliebt, schließlich konnten sich die Kinder in karger Zeit mal so richtig damit satt essen. Sie brauchte keinen Belag, "sie schmeckte auch so gut", erinnert sich die Leiperin Anna Jedro.Stolle in Leipe In Leipe wurde die Burger Semmel "Stolle" genannt. Der Burger Rudi Schichan weiß, "dass die Semmel noch bis in die 1950er-Jahre regelmäßig von den Paten verschenkt wurde, aber dann doch zunehmend von Süßigkeiten verdrängt wurde".Da ein Kind mehrere Paten hatte, gab es die Semmel, von manchen auch "Schippchen" genannt, oft mehrfach. Die 99-jährige Burgerin Henriette Lukas genoss sie am liebsten mit selbst gemachtem Rübenhonig: "Aber das schmeckte nur mit ganz frischen Semmeln. Die anderen sieben Semmeln - ich hatte acht Paten - räumte mein Vater in eine Lade auf dem Boden. Zu Pfingsten und zu anderen Anlässen wurden dann eine oder zwei Semmeln mit etwas Wasser aufgeweicht und zu Milchsuppe verarbeitet."Pur oder mit BelagAndere Kinder "titschten" die frische Semmel in Milch oder Kakao, einige schwörten auf Leinöl mit Zucker. "Es ist kein süßer Teig, die Semmel kann jeder essen wie er möchte - ob mit Wurst oder Käse oder pur - ganz nach Belieben", erzählt Bäckermeister Mieth. Sohn Stefan wird demnächst den Betrieb übernehmen und die Ostersemmel-Tradition fortsetzen, wie er verspricht. Denn auch bei den Mieths ist die Semmel nicht mehr vom Osterfest wegzudenken.