Was um Himmels Willen bedeutet das für eine Rockband? Vor allem für eine, die sich die Revolte förmlich aufs Cover geschrieben hatte? „Kille! Kille!“ stand da, weiß eingekratzt, sonst blieb alles schön schwarz. Nur noch der Name der Band drunter: Pankow. Das ist ein Stadtteil in Berlin, aber es hörte sich nach einer Musikrichtung an, die im Ostrock bis dahin nicht so präsent gewesen war. Dann senkte sich die Nadel auf die Platte und zum Auftakt wurde ein zart-folkloristischer Bläsersatz von einer E-Gitarre förmlich zerlegt. Es rockte, klang wie Stones und Police und doch ganz eigen – André Herzbergs schnoddrig-kraftvoller Gesang, dazu die coole Gitarre von Jürgen Ehle. Texte mit rauer Poesie und doch mit beiden Beinen mitten im Staub von (Ost-) Berlin. Das war für mich der Sound der 80er-Jahre – und wurde der Soundtrack zum Abgesang auf die DDR. „Aufruhr in den Augen“ hieß das Album vor der Wende. Man wunderte sich, dass es überhaupt erscheinen durfte. Ein Song kam dann doch auf den Index, „Langeweile“: „Das selbe Land zu lange gesehn, die selbe Sprache zu lange gehört, zu lange gewartet, zu lange gehofft, zu lange die alten Männer verehrt!“ hieß es. Es wurde nicht mehr gesendet, gehört haben es alle.

Dann die Wende und der Stasi-Riss, der durch die Band fuhr. Eine Zeitlang getrennte Wege, nach zehn gemeinsamen Jahren, quasi in der Pubertät. Die gewachsene Reife brachte Toleranz und Gelassenheit zurück.

19. November, 21 Uhr,

Kufa Hoyerswerda