So wurde etwa das Sparkassen-Gebäude in der Bahnhofstraße direkt gegenüber vom Stadtmuseum inspiziert, wie Stadtsprecher Wieland Eschenburg bestätigt. Weitere Immobilien würden geprüft. „Dabei ist es eine Illusion, dass Museum und Archiv komplett in ein Haus passen“, sagt Eschenburg. Derzeit verteilen sich Museum, Archiv und Sammlungen auf drei Immobilien.

Das Stadtmuseum in der Bahnhofstraße ist nun schon seit mehr als einem Jahr geschlossen. Es musste sogar die marode Elektroanlage vom Netz genommen und durch ein Provisorium ersetzt werden. Damit gibt es allerdings nur in einer Etage Strom. Eine öffentliche Nutzung ist so unmöglich. Das Haus bleibt deshalb zum zweiten Mal für längere Zeit für die Cottbuser unerreichbar. Nach Schätzungen der Stadt würde es rund 1,6 Millionen Euro kosten, um das Gebäude auf Vordermann zu bringen.

Der schlechte Bauzustand ist wohl der Grund für die neuerliche Standortdiskussion. Dabei ist in das Gebäude im vergangenen Jahrzehnt lediglich in Fassade und Dach investiert worden, innen gab es nur dringend notwendige Reparaturen. Seither muss das Haus zudem mit einem schrumpfendem Budget auskommen. Weitere massive Kürzungen sind angekündigt. Bis zum Jahr 2014 soll im Stadtmuseum rund eine Million Euro eingespart werden.

Angesichts dieser Tatsachen fordert das Stadtparlament von der Verwaltung nun bis März ein qualifiziertes Konzept zur Entwicklung der Städtischen Sammlungen. Obwohl die Stadt Ende der 90er-Jahre schon ein Konzept erarbeitet hat, als damals Museum und Archiv in die Bahnhofstraße zusammenzogen.

In der Diskussion wird derzeit sogar offen von einer Anpassung der Bestände gesprochen. Besonders die naturkundlichen und überregionalen Objekte werden von vielen Lokalpolitikern offenbar als Klotz verstanden. Museumschef Steffen Krestin hat da einen klaren Standpunkt: „Das ist alles einmal gesammelt worden, weil wegen der Braunkohle hier ein tiefes Loch gegraben und Natur en gros zerstört wurde. Wir sammeln nicht wahllos, sondern verantwortungsbewusst mit Blick auf die Kapazitäten.“ Er betont: „Wir machen das nicht, weil wir das nett finden, sondern weil wir von der Gesellschaft damit beauftragt wurden.“

Zudem verfüge Cottbus gerade wegen der umfangreichen Sammlungen über ein Alleinstellungsmerkmal. „Wir haben die Bestände und die Fachkräfte, um zu zeigen, wie Gesellschaft funktioniert in all ihrer Widersprüchlichkeit“, so Krestin.

Das würde den Ruf von Cottbus über die Stadtgrenzen hinaus stärken.

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HintergrundIn einem Grundsatz des Internationalen Museumsrats heißt es: „Museumsträger und jene, die mit der strategischen Richtungsweisung und Aufsicht von Museen befasst sind, haben in erster Linie die Verantwortung, dieses Erbe zu schützen und zu fördern. Dazu zählen auch personelle, materielle und finanzielle Ressourcen “