"Wollt Ihr Party machen?", fragt Florian Silbereisen das Cottbuser Publikum. Da hat man den Eindruck, aus 1800 Kehlen schallt das "Jaaaa" zurück. Und wie sie wollen. Von Beginn an wird ein Feuerwerk der guten Laune abgebrannt - und zwar nicht nur, wenn Feuerfontänen auf der Bühne in die Höhe schnellen. Der Sänger und Moderator verspricht "die größten Schlager-Hits aller Zeiten". Und da geht es auch gleich los mit dem "kleinen grünen Kaktus" und "ein bisschen Spaß muss sein". Die fünf Jungs der Dancefloor Destruction Crew (DDC) legen dazu tollen Breakdance auf die Bühne. Als dann ein Querschnitt von 70er-Jahre-Musik bis Neue Deutsche Welle erklingt, ist der Funken längst übergesprungen - der Stühle hätte es zu diesem Zeitpunkt eigentlich nicht bedurft, denn alles steht, klatscht, wiegt die Hüften, singt mit und ist überzeugt "Schlager ist die beste Musik der Welt", wie Silbereisen beschwört. "Was für ein verdammt guter Tag" finden dann auch die Jungs der ersten Schlagerboy-Gruppe "Feuerherz", die alle noch solo sind - wie sie auf Nachfrage des Moderators offen gestehen. Auch, dass sie in Cottbus schon sehr hübsche Mädchen entdeckt haben.

Vanessa Mai, die Senkrechtstarterin des Jahres, zieht kurzerhand ihre Schuhe aus ("weil ich die hohen Schuhe hasse"), setzt sich an den Bühnenrand, plaudert kurz mit dem Publikum und singt erst einmal a Cappella. Dabei strahlt sie über das ganze Gesicht.

Ein Lächeln und leichte Röte gibt es auch bei Inge aus Halbe, die von Florian Silbereisen eine rote Rose geschenkt bekommt und im Ständchen aufgefordert wird, "Oh Inge, lehn' dich an mich". Er will beweisen, dass es sie noch gibt, die romantischen Männer.

Bei der spektakulären Einlage der DDC ist das Publikum begeistert. Da gibt es zu Jodelmusik nicht nur den Schuhplattler, sondern auch Breakedance in seiner Vielfalt und als Höhepunkt eine Pyramide mit Vanessa Mai und Florian Silbereisen, die sich wie ein Kettenkarussell dreht. Da kann einem schon beim Zusehen schwindlig werden. "Wahnsinn" höre ich hinter mir.

Silbereisen versucht DJ Ötzi zu entlocken, warum er immer mit der weißen Strickmütze auftritt. Aber so richtig rückt der Österreicher nicht raus mit dem Grund, nur, dass es "Zufall" gewesen sei und jetzt sein "Markenzeichen". Daran ändert sich auch nichts, nachdem eher mehrere Hüte und glitzernde Kappen auf der Bühne probiert hat. Sah auch nicht wirklich gut aus. Besser schon seine Musik, da rollt die Welle durch die Stadthalle, und die Hände sind oben. Die ersten Pärchen tanzen. Und dann singen die Künstler und der ganze Saal gemeinsam vom "Stern, der deinen Namen trägt". Stimmung pur.

Gute Laune verbreiten wieder die Tänzer, die diesmal in rotkarierten Schottenröcken auftreten. Ein tolles Bild, als sich zu ihnen auch Silbereisen und die Jungs von Feuerherz gesellen. Dudelsack und Schlager gehören offenbar doch zusammen, wie der Feste-Chef sagt.

Richtig lustig wird's mit Ross Antony. Der Gute-Laune-Musiker heizt zu vorgerückter Stunde noch einmal so richtig ein, als er mit "Eine neue Liebe", Ich will 'nen Cowboy als Mann" oder "Schön ist es auf der Welt zu sein" auf eine Schlagerzeitreise geht. Das kommt an. Genau wie Michelle, die mit ihrer zarten Stimme gesteht, "ich hab' mehr als einmal mit dem Feuer gespielt", aber trotzdem das "Leben feiert" und das Publikum zu guter Letzt nach Paris entführt.

Als Silbereisen gegen 22.20 Uhr fragt: "Cottbus, könnt Ihr noch?" erschallt ein 1800-faches "Ja" - oder fast so viele. Auf jeden Fall startet dann eine kleine Polonaise.

Als die Feuerfontänen zum letzten Mal die Bühne erhellen und es silberne Papierschlangen regnet, wird klar: Die Schlagerfamilie ist groß, jung, alt, textsicher - und sie kann Party machen. Die Cottbuser Stadthalle jedenfalls bebte am Donnerstagabend fast drei Stunden lang.

Zum Thema:
Nadine und Martina aus Cottbus: "Die Stimmung hier war echt toll. Ross Antony und Michelle fanden wir richtig cool." Friedhelm aus Felixsee: "Ich hab meine Frau Ramona mit den Karten überrascht, dafür hat sie mich mal wieder richtig doll gedrückt. Es hat sich wirklich gelohnt. Wir waren total begeistert, was geboten wurde und wie toll das Publikum mitgemacht hat." Bianca und Anne aus Cottbus haben ihre Oma begleitet: "Wir hätten nicht gedacht, dass es so poppig ist."Dagmar und Dietmar aus Dissenchen: "Wir sind Fans von Florian Silbereisen. Die Stimmung war überwältigend und mitreißend."