Allgemein gilt für Trinkgeldzahlungen: Zehn Prozent des Rechnungsbetrages sind in den meisten Fällen angemessen. Das rät der ADAC in München. Allerdings gibt es Ausnahmen.

Keine Pflicht, sondern Ausdruck von Zufriedenheit. Zunächst sollte ein Reisender sich klar machen, dass er nicht verpflichtet sei, Trinkgeld zu geben, erläutert ADAC-Sprecherin Katharina Bauer. "Der Sinn von Trinkgeld ist im Prinzip eine Wertschätzung der Dienstleistung und des Services am Gast. Wird man freundlich und zuvorkommend bedient, drückt Trinkgeld auch Zufriedenheit aus", sagt sie. Das bedeute im Umkehrschluss aber auch, dass keines gegeben werden muss, wenn man sich schlecht behandelt fühlt. "Trinkgeld ist immer freiwillig und zusätzlich", verdeutlicht Bauer.

Leichte Unterschiede. In den Trinkgeldgepflogenheiten vieler populärer Reiseländer gibt es nur leichte Unterschiede. So sind Bauer zufolge in Frankreich, Spanien und Portugal Trinkgelder in Höhe von fünf bis zehn Prozent üblich, die nach dem Bezahlen einfach auf dem Tisch zurücklassen werden. In Österreich gibt der Kunde - wie in Deutschland - etwa zehn Prozent beim Begleichen der Rechnung dazu. In den meisten weiteren Mittelmeerländern würden oft 15 Prozent erwartet, sagt Bauer und ergänzt: "Generell machen Urlauber in Europa und darüber hinaus aber nichts falsch, wenn sie bis zu zehn Prozent auf die Rechnung geben." Etwas großzügiger könne ein Gast in den USA sein - nicht aus Gründen der Höflichkeit, sondern aus sozialen Gesichtspunkten heraus: "Hier ist das Trinkgeld gerade für das Servicepersonal besonders wichtig. Die Festlöhne sind oft gering und das Trinkgeld mehr oder weniger die Haupteinnahmequelle." Eine genaue Zahl lasse sich hier aber schwer nennen, zeigt Katharina Bauer auf.

Andere Regelungen in Italien, der Schweiz und in britischen Pubs. Manchmal können Urlauber die Geldbörse nach dem Bezahlen auch stecken lassen. Unüblich ist Trinkgeld etwa in Italien. "Oft ist das Coperto, so nennt sich die Gebühr für Gedeck und Brot, schon in der Rechnung inbegriffen", erläutert ADAC-Sprecherin Bauer. Ähnlich sei es in der Schweiz. Keinen inbegriffenen Aufschlag gebe es in britischen Pubs - stattdessen benötigt man Mut zur Unhöflichkeit: "Hier wird exakt bezahlt und zwar direkt an der Bar."

Betrag aufrunden, Trinkgeld direkt übergeben. Nicht immer wird das Trinkgeld prozentual bemessen: So stellt ein Zimmermädchen keine Rechnung, aber auch bei Taxifahrern ist es zumeist unüblich, diese als Grundlage zu nehmen. Egal, in welchem Land man unterwegs ist: Bauer rät zu einheitlichem Vorgehen. So reiche es im Taxi, den geforderten Betrag einfach aufzurunden. Bei einem Zimmermädchen könne man etwas großzügiger sein, schließlich habe es sich oft einen längeren Zeitraum um den Gast gekümmert. Am besten hält er ein paar Euro bereit. Die sollte man aber nicht im Zimmer liegen lassen, sondern den freundlichen Damen direkt übergeben, rät Katharina Bauer.