Beachtung findet dieses illustre Nachschlagewerk bei Veteranen des Sportvereins genauso wie bei aktiven Sportlern. Einfach deshalb, weil dieses umfängliche Werk derartig viele geschichtliche Fakten, aber auch manch Anekdote preis gibt. Für den größten „fröhlichen Aufschrei“ hat ganz gewiss ein Dokument gesorgt, das sich auf ein Fußballspiel im Jahre 1953 bezog. Kunersdorf II traf auf Skadow II und führte zur Pause klar mit 4:0. Dass man am Ende noch 4:5 unterlag, hatte laut Chronisten-Angaben folgenden Grund „Vergnügen am Sonnabend war schuld, zu viel gesoffen, Konditionsmängel!“

Lustige Einträge

„Natürlich habe ich mich beim Blättern in den alten Unterlagen besonders gern auf solche lustigen Einträge gestürzt“, erklärt Lutz Knüpfer. Der sich in wesentlichen Teilen auf die Sammelbände seiner Vorgänger stützen durfte. Zum Beispiel auf das „Goldene Buch“, geführt ab dem Jahre 1953 vom inzwischen verstorbenen Werner Kuschka, und auf die Informationen des Torhüters der 50er-Jahre, Hermann Fuhlisch. Interessant auch die Informationen, die das heutige Vorstandsmitglied Harald Lindner Anfang der 70er-Jahre an den bei der NVA dienenden Hans-Dieter Hanke schrieb. Nahezu an jedem Montag wanderte eine Postkarte mit einem exklusiven Spielbericht samt Nebenbemerkungen in den Briefkasten. Auf einer Karte ist der Spielbericht vom Februar 1973 von der Partie gegen Guhrow zu lesen: „Torschützen: 1:1 ich, 2:1 Mucki (der Witz ist dabei ja, dass wir beide am Abend davor beim Studentenfasching waren und zusammen 50 Mark vertrunken haben “).

Keineswegs soll hier jedoch der Eindruck entstehen, dass die Kunersdorfer ausschließlich dem Gerstensaft gehuldigt haben. Denn fleißig waren sie auch, wie zu lesen ist. Beispielsweise beim Umbau des Sportlerheims (Mai 1986 bis Juli 1987, wofür der damalige Vorsitzende Gerhard Mucha durch den Rat des Kreises besonders geehrt wurde. Zum 75. Geburtstag des Vereins gastierte mit dem VfB Leipzig (bei der Partie gegen Energie Cottbus) gar ein Erstliga-Verein für eine Garantiesumme von 3000,- DM auf dem Platz des SV Fichte. Und noch ein weiteres Mal stand dieser Verein sogar landesweit im Blickpunkt. Als nämlich 1999 das 100 000. Mitglied des Fußball-Landesverbandes geehrt wurde. Dem Schüler Patrick Krehl wurde von FLB-Präsident Siegfried Kirschen beim Verbandstag Urkunde und Ehrengeschenk überreicht.

„All diese Dinge, erst recht die vielen Spielberichte, hätte ich nicht zusammentragen können, wenn es bei der RUNDSCHAU nicht ein solch perfektes Archiv geben würde. Zwei bis drei Mal pro Woche habe ich dort gesessen und mir Dinge herausgeschrieben und kopiert“, so Lutz Knüpfer, der vor drei Jahren von einer eher beiläufigen Bemerkung inspiriert wurde, die da lautete: „Bald haben wir unser 90., da müsste man doch eine Chronik machen“.

Nachauflage möglich

Zum Teil mit Reinhard Badack, zumeist aber allein hat der Sattler in einem Cottbuser Technischen Gewebehersteller über dem nun fertigen Werk gesessen und es perfektioniert. Dass Vorstandsmitglied Harald Lindner die ersten 40 Exemplare in seinem Betrieb preiswert gedruckt hat, sei nicht nur aus Höflichkeit erwähnt.

Man kann sich aber auch vorstellen, dass es schon bald eine Nachauflage geben wird. Das Interesse während der Sportfestwoche am grün-schwarz gebundenen Werk war riesengroß.