Hans Dietrich Krause liegt sein Handwerk in den Genen. Beide Großväter haben Öfen gebaut und den Beruf an ihre Kinder weitergegeben. „Meine Großväter waren Töpfermeister. Damals wurden im Winter die Kacheln gemacht, die im Sommer verbaut wurden. Meine beiden Eltern wurden dann Ofensetzer“, erzählt der Cottbuser.

Eine Frau in diesem Handwerk war damals etwas ganz besonderes. Als Hans Dietrich Krauses Mutter 1936 ihre Prüfung absolvierte, war sie die erste und einzige Ofensetzermeisterin Deutschlands. Mit ihrem Mann, den sie auf der Meisterschule in München kennengelernt hatte, gründete sie 1946 einen Betrieb in Cottbus.

Als Walter Krause starb, stand für Charlotte Krause fest, dass der damals zwölfjährige Hans Dietrich auch Ofenbauer werden sollte. Sein älterer Bruder konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht in die beruflichen Fußstapfen seiner Eltern treten.

Sich dem Wunsch der resoluten Mutter zu widersetzen, kam für Hans Dietrich Krause nicht infrage. 1966 begann er seine Ausbildung im elterlichen Betrieb, mit der eigenen Mutter als Lehrherrin. „Das war schon schlimm“, sagt er und zwinkert ironisch mit den Augen. „Vom Frühstück bis zum Schlafengehen gab es nur ein Thema. Meine Mutter war eben Ofensetzerin mit Leib und Seele.“

Dass er den elterlichen Betrieb nach dem Tod seiner Mutter 1972 weiterführen konnte, verdankt Krause einem Umdenken der DDR-Führung, denn zunächst sollte die Firma aufgelöst werden. „Wir züchten keine Kapitalisten, hieß es damals. Doch dann rief ein Politbüromitglied in einer Rede dazu auf, das Handwerk in der DDR zu fördern, und wir durften als selbstständiger Betrieb weitermachen“, erinnert sich Krause, der 1973 seine Meisterprüfung absolvierte, im Ofenbauerhandwerk, wie es damals hieß.

Nicht nur die Berufsbezeichnung, auch das Berufsbild hat sich seit der Zeit seiner Großväter sehr verändert. „Früher wurden vor allem Öfen und Küchenherde gebaut. Dann kamen die Warmluftöfen auf, mit denen man mehrere Räume und später auch Zimmer über mehrere Etagen heizen kann.

Nach der Wende haben wir auch Ölöfen gebaut und angefangen, uns mit elektronischen Steuerungssystemen zu befassen. Und die Kacheln wurden schon zur Zeit meiner Eltern industriell hergestellt“, erzählt der Ofenbaumeister. Er selbst erinnert sich noch gut an die Zeit als Öfen allgegenwärtig waren. „Sie standen in fast jedem Geschäft, in den Klassenzimmern und sogar im Knast habe ich selbst noch Öfen eingebaut“, erzählt der Handwerker. Damals seien die Öfen reihenweise eingebaut worden. „Heute gibt es keine Routine mehr. Diese ist zum Aneignen bestimmter handwerklicher Fähigkeiten aber wichtig. Nach der Wende war von den Öfen, die ich gebaut habe, nicht ein einziger wie der andere.

Heute sind in erster Linie individuelle Kamine und Wohnzimmeröfen gefragt“, sagt Hans Dietrich Krause, den seine Kunden aber auch mit der Reparatur und dem Erhalt alter Öfen beauftragen. „Ich habe schon etliche alte Öfen abgerissen und an anderer Stelle wieder aufgebaut und arbeite unter anderem auch mit dem Denkmalschutz zusammen“, erzählt er.

Von neun Ofenbaubetrieben, die es vor der Wende im heutigen Cottbuser Stadtgebiet gegeben hat, sind noch zwei übrig. Weder Hans Dietrich Krause, der im kommenden Jahr 60 Jahre alt wird, noch sein Kollege haben einen Nachfolger.

„Im Landkreis gibt es aber noch einige junge Ofenbauer. Ich denke deshalb, dass das Handwerk überleben wird“, sagt Krause. „Aber die zukünftigen Ofenbauer müssen mit der Zeit gehen. So wird der Beruf sein Gesicht weiter verändern“, schaut Hans Dietrich Krause schon heute in die Zukunft.