Bad Säckingen. Eine kräftige Stimme meldet sich am Telefon: "Hier Zimmermann." - "Na so was, eben erhielten wir per Post einen Weihnachtsgruß aus dem Amt Schlieben - jetzt kommt Ihr Anruf - was für ein schöner Tag", ruft er und will sogleich wissen, "wie es geht und steht" - in Kolochau und Umgebung.

Mit 25 Jahren war Klaus Zimmermann einst nach Herzberg gekommen. Hier arbeitete er zunächst in der kirchlichen Jugendarbeit, bevor er nach Kolochau wechselte, wo er 18 Jahre lang als Pfarrer für viele Gemeinden zuständig war. Außerdem wurde Zimmermann Kreistagsabgeordneter (parteilos), rührte bei sozialen Themen kräftig mit, wischte Amtsschimmel von Akten, gründete mit Sozialamtsleiterin Maria Lieschke und Hannelore Birkholz (Die Linke) den Seniorenbeirat und arbeitete aktiv für den Förderverein "Leben nach Tschernobyl - Narowlja/Herzberg".

Egal, wo er auftaucht - seine schlanke Statur ist immer in Bewegung - den Menschen zugewandt und manchmal etwas ungeduldig. Daran hat sich offenbar nicht viel geändert: "Ich bin jetzt Aushilfspfarrer in Bad Säckingen und im gesamten Landkreis - mit den üblichen Aufgaben."

Eigentlich wäre das genug - mitsamt der Großeltern-Pflichten für sechs Enkelkinder und der Möglichkeit, spontan von der Haustür aus durch die Schwarzwald-Landschaft wandern zu können.

Ob ein "Pfarrer i. R." eine Art göttliche Energie als Obolus erhält? Denn Klaus Zimmermann ist in Bad Säckingen außerdem Vorsitzender des Stadtseniorenrates und als solcher Interessenvertreter der Älteren im Rathaus. Er hält unter anderem Kontakt zu elf Seniorengruppen, zu vier Altersheimen sowie zu Wohlfahrtsverbänden. Vor der Bürgermeisterwahl moderierte er einen Info-Nachmittag mit allen acht Kandidaten. Außerdem koordiniert Zimmermann eine Schulhelfergruppe: "Viele Senioren - darunter auch meine Frau - sind in den Grund- und Förderschulen wöchentlich als Lesehelfer tätig. Aber selbst die guten Schüler wollen ,Sonderunterricht` mit uns alten Leuten." Und: Seit einem Jahr bereitet der Ruheständler mit jungen Müttern "Krabbelgottesdienste" vor. Er lacht: "Eine solche Aufgabe hätte ich mir nie zugetraut. Bei uns hat das früher eine junge Vikarin gemacht."

Zimmermann erzählt weiter: "Alle 14 Tage gehe ich mit meiner Frau zum Seniorennachmittag in unser modernes Gemeindehaus." Er sagt tatsächlich "unser".

Zuerst wie FremdlingeAls er sich zehn Jahre zurückerinnert, verlangsamt sich seine Redegeschwindigkeit etwas: "Am Anfang haben wir uns als totale Fremdlinge gefühlt. Nachdem wir acht Tage lang hier wohnten, las ich eine Einladung zum Ausländerfrühstück. Da bin ich hin, denn ich fühlte mich wie ein Ausländer inmitten der Menschen, deren fremden Dialekt ich nicht verstand - eine Mischung aus dem Alemannischen und "Swizer Dütsch", erklärt er. Der ehemalige Kolochauer gesteht: Mitunter brauchen wir immer noch eine Übersetzungshilfe, doch das läuft jetzt recht gut."

Zu Weihnachten gibt es feste Rituale. Am morgigen Heiligabend gestalten die Enkel im Nachbardorf das Krippenspiel mit, Ehefrau Angelika singt in einer Christvesper mit ihrem Chor, während Zimmermann anderenorts besagten Krabbelgottesdienst hält. Nach "Dienstschluss", gegen 19.30 Uhr, versammeln sich dann bis zu 14 "Zimmermänner" bei den Großeltern zum Abendbrot rund um die große Nordmanntanne.

Singen im Kerzenschein"Die schmücke ich am Vorabend bis in die Nacht hinein. An allen Weihnachtstagen singen wir oft im Kerzenschein. Das ist wie früher, als unsere Kinder noch klein waren", blickt er zurück - und resümiert: "Herzberg und Kolochau waren schöne und turbulente Zeiten. Keinen Tag möchte ich missen. Doch es ist gut weitergegangen. Dafür sind wir dankbar. "Übermitteln Sie den Menschen in unserer früheren Heimat viele Grüße, allen ein gesegnetes Weihnachtsfest." Nach einem herzlichen "Auf Wiederhören" lässt er noch wissen: "Älter werden ist gar nicht so schlimm, Hauptsache, es wird nicht langweilig."