Die Raucher von E-Zigaretten können weiter Dampf ablassen. Die nikotinhaltigen Flüssigkeiten, die in den elektronischen Zigaretten erhitzt und verdampft werden, sind keine Arzneimittel, entschied das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am Donnerstag und lehnte ein Verbot der elektronischen Zigaretten ab. Somit brauchen die sogenannten Liquids auch keine Zulassung und können wie bisher frei in Kiosken, Tabakläden und im Internet verkauft werden.

Für die Anhänger der E-Zigaretten ist das Urteil eine Bestätigung. Gesundheitsexperten reagierten dagegen enttäuscht, weil die umstrittenen elektronischen Zigaretten weiterhin nicht kontrolliert und überwacht werden.

"Wir haben von Anfang an die Position vertreten, dass es ein Tabakprodukt ist. Die E-Zigarette ist für Raucher gedacht, sie simuliert das Rauchen, sie sieht sogar ähnlich aus wie eine Zigarette", sagt Dac Sprengel, der Vorsitzende des Verbands des eZigarettenhandels (VdeH).

Nach Angaben des Verbandes greifen immer mehr Menschen in Deutschland zur E-Zigarette. 2012 dampften 1,4 Millionen, 2013 waren es 2,2 Millionen. Ende diesen Jahres werde die Zahl der "Dampfer" auf mehr als drei Millionen steigen. "In den nächsten zehn Jahren werden wir die Tabakzigarette beim Marktanteil überholen. Das heißt, es werden weniger Menschen an raucherbedingtem Krebs sterben", sagt Verbandschef Sprengel.

Gegen die Einstufung als Arzneimittel spricht aus Sicht des Bundesverwaltungsgerichts vor allem eines: Es fehlt der therapeutische Zweck. Zwar wirkt sich das Nikotin auf den Körper aus - aber der Sinn des Nikotin-Dampfens sei es nicht, ein Leiden zu lindern. Einer der Hersteller wurde von Linken-Politiker Gregor Gysi als Anwalt vertreten. "Ich bestreite, dass man sich mit Nikotin Nikotin abgewöhnen kann", meint Gysi. "Die E-Zigarette ist vieles, aber kein Arzneimittel."

Ob die E-Zigarette, wie von Befürwortern behauptet, tatsächlich dazu beitragen kann, die Zahl der Krebstoten zu senken, ist indes offen. Die Krebsforscherin Martina Pötschke-Langer sagt: "E-Zigaretten sind lediglich im Vergleich mit Tabakzigaretten weniger schädlich. Ein vollständiger Umstieg zum Rauchen von E-Zigaretten könnte wahrscheinlich das Gesundheitsrisiko der Raucher senken."