Mehrere Menschen seien in der Kohlemine Sassjadko bei Donezk eingeschlossen, teilten die örtlichen Behörden am Mittwoch mit. Zum Zeitpunkt des Unglücks am frühen Morgen befanden sich mehr als 200 Bergarbeiter in den Stollen. Die meisten von ihnen konnten sich retten, mindestens 16 wurden verletzt. Zuvor hatte eine Mitteilung von Parlamentspräsident Wladimir Groisman in Kiew, der von mindestens 32 Toten gesprochen hatte, Verwirrung gestiftet. Die Abgeordneten in der Obersten Rada legten wegen des Unglücks eine Schweigeminute ein. Sowohl der ukrainische Zivilschutz als auch die Donezker Behörden widersprachen Groismans Aussage. Später ruderte der Politiker zurück und räumte ein, das Schicksal der eingeschlossenen Bergarbeiter sei ungewiss.

Die völlig veralteten Bergwerke im Donezk-Becken, einem der größten Kohlereviere der Welt und das Herz der Energieversorgung des Landes, gelten als Todesfallen. Unglücke gehören fast zum Alltag, immer wieder sterben Arbeiter bei Unfällen. Jedes Jahr werden Dutzende erschlagene, verbrannte oder vergiftete Bergleute aus den Stollen geholt. Die ukrainische Kohleindustrie steckt seit Jahren in einer Krise. Direktoren gelten als korrupt, auch Leichtsinn der Bergleute führt zu Katastrophen. Der Staat scheut die seit Langem überfälligen Schließungen, weil es in der Region Donbass kaum andere Stellen für Bergleute gibt. Allein Sassjadko beschäftigt rund 15 000 Arbeiter.

Die Unglücksmine in der Bergbaustadt Donezk ist berüchtigt für eine hohe Methan-Konzentration in den Flözen. Im Mai 1999 waren dort fast 50 Bergleute bei einer Explosion gestorben. Hinzu kommen politische Verwerfungen: Sassjadko liegt wie die meisten Bergwerke der Ex-Sowjetrepublik in dem von Separatisten kontrollierten Gebiet. Seit fast einem Jahr tobt in der Ostukraine ein Kampf zwischen Armee und prorussischen Aufständischen, der mehr als 6000 Menschen das Leben kostete. Zwischen die Fronten sind längst auch die Bergleute geraten. Die von der prowestlichen Regierung in Kiew zum Unglücksort entsandten Rettungskräfte werden von den Separatisten nach eigenen Angaben nicht durchgelassen.