"Die Eisenfracht der Spree hat sich seit 2009 auf 2000 Tonnen pro Jahr verdreifacht. Neue Luftbilder zeigen, dass die Stadt Spremberg und auch große Teile der Talsperre bereits stark von der dadurch verursachten Braunfärbung des Wassers betroffen sind", sagte Udo Nickusch, Renaturierungsbeauftragter des Anglervereins Groß Luja, in seinem Vortrag. "Erste Laichplätze von Karpfen und anderen Fischen gehen bereits verloren. Denn die Eisenablagerungen auf dem Boden der Gewässer ersticken den Pflanzenwuchs. Das hat zur Folge, dass die Fische keine Nahrung mehr finden und abwandern, Flussabschnitte veröden. Zudem verkleben höhere Konzentrationen von Eisenhydroxid die Kiemen."

Udo Nickusch sieht wie das Aktionsbündnis "Saubere Spree", dessen Gründungsmitglied er ist, als Gründe für die Verockerung die Auswaschung des Metalls vor allem aus Tagebaurestlöchern und Kippen der Rekultivierungsgebiete, aus natürlichen Rasen eisenerz-Vorkommen sowie aus dem Braunkohlenabbau. "Nach 1990 ist die Spree wieder deutlich sauberer geworden. Dort ließ es sich gut angeln. Das hat sich in den vergangenen zwei, drei Jahren deutlich gewandelt. In der braunen Brühe macht mir das Angeln deutlich weniger Spaß", meinte Klaus Lehnert. "Pflanzen sind im Fluss an manchen Stellen kaum noch zu erkennen. Dort ist es auch schwieriger, Fische zu fangen", sagte Martin Neubert.

Laut Wasserrahmenrichtlinie der EU müsste die Bestandsaufnahme der Belastungen der Spree abgeschlossen sein, Bewirtschaftungskonzepte entstehen und 2015 Schritte zur Qualitätsverbesserung erfolgen. Davon ist Brandenburg laut Nickusch weit entfernt. Pläne für Zwischenschritte würden erst erstellt und Fristverlängerungen angepeilt. Wegen eines analogen Vorgehens bei der Salzbelastung der Werra hat die EU-Kommission im Vorjahr ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Auch bei Sofortmaßnahmen wie der Reaktivierung der stillgelegten, aber nahezu intakten Grundwasserreinigungs-Anlage Vetschau lässt sich das Landesumweltamt Zeit. Statt den alten Betriebsplan zu nutzen, wird ein neues Genehmigungsverfahren angestrebt, die Wiedereröffnung vor 2014 ist so unmöglich.

Damit droht die Verockerung den Spreewald zu erreichen und den Fremdenverkehr zu gefährden. Der Tourismusverband und mehrere Vereine haben sich bereits dem im Dezember gegründeten Bündnis "Saubere Spree" angeschlossen. Eine Reinigung der Fließe von verockertem Schlamm würde die Kommunen überfordern, warnte jüngst der Burger Bürgermeister Manfred Neumann. "Das Land stuft den Schlamm als Sondermüll ein, das vervielfacht die Entsorgungskosten. Für die Kommune ist es fast unmöglich, die bisherige Pflege weiterzuführen."

Udo Nickusch will daher die Angler bewegen, Druck auf Behörden und Politik auszuüben und das Bündnis "Saubere Spree" zu unterstützen. "Der Deutsche Anglerverband ist der drittgrößte Sportverband. Dieses Gewicht müssen wir nutzen."

Viele Zuhörer trugen sich in Unterschriftenlisten für Schritte gegen Eisen- und Sulfatbelastungen ein. Spreewälder erbaten Kopien, um sie bei Bootsverleihern, Fährleuten und Tourismusanbietern auszulegen.

Zum Thema:
Die EU-Wasserrahmenrichtlinie von 2000 wurde durch das Wasserhaushaltsgesetz in deutsches Recht umgesetzt. In 15 Jahren sollen bei oberirdischen Gewässern ein guter ökologischer Zustand sowie ein gutes ökologisches Potenzial und ein guter chemischer Zustand bei erheblich veränderten Gewässern erreicht werden. Hinzu kommt ein Verschlechterungsverbot. Die Salzeinleitungen des Kali-Bergbaus, welche die Werra erheblich belasten, beruhen auf einem Gesetz von 1942. Klagen gegen diese Praxis und den Bau einer unterirdischen Pipeline für salzhaltige Abwässer bis zur Nordsee wurden von Verwaltungsgerichten abgelehnt. Anrainer und Naturschutzverbände legten daher erfolgreich Beschwerde bei der EU-Kommission ein.