„Grau plus Knallfarbe - das hat eine
provokante Wirkung.“
 Sandra Jaruschewski, Designerin


Gürtel, Schuhe und Taschen in den aktuellen Kontrastfarben gehören diesen Herbst in jeden Kleiderschrank - und müssen gekonnt eingesetzt werden. Der einfachste Weg zum modischen Auftritt ist der, die richtigen Teile auszuwählen. Denn viele Kleidungsstücke sind von vornherein mit Hinguckern versehen. „Es passiert viel an der Oberfläche“ , sagt Sandra Jaruschewski, die als freischaffende Designerin in Gilten (Niedersachsen) arbeitet. „Da gibt es Raffungen und Falten.“ Zusätzlich würden Pelzbesätze benutzt, um der nüchternen Oberfläche von Schwarz und Grau Glanz und Glamour zu verleihen.
„Vor allem in Strick gibt es jetzt sehr elegante Teile, bei denen die Gestaltung über Form und Stoff läuft“ , fügt Styling-Coach Lisa Zimmermann aus Berlin hinzu. Diesen Herbst müsse niemand als „graue Maus“ daherkommen. „Grau ist weicher als Schwarz - und es passt obendrein zu vielen anderen Farben.“ So sieht der Trend denn auch vor, das Grau mit einer Handvoll starker Kontrastfarben zu kombinieren: Pink, Lila und ein kräftiges Blau nennt Zimmermann als die wichtigsten. Edelsteintöne rückt Stylist Georg Stiels aus München in den Vordergrund. „Rubinrot, Smaragdgrün, Amethyst und - am wichtigsten - Lila-Violett: Das ist die Farbpalette“ , zählt der Modeexperte auf. Maßgeblich ist ihm zufolge auch, nur einen Kontrastton pro Outfit zu verwenden - Grau plus Knallgelb und Pink, das ist zu dick. „Sie dürfen keinen Flächenbrand entfachen“ , sagt Stylistin Maria Hans aus Hamburg.
Die ganz grellen Töne seien nur etwas für Mutige, sagt Lisa Zimmermann. Und nicht für jeden sei die Kombination von Grau plus Knallfarbe überhaupt von Vorteil - und sie sei es auch nicht zu jedem Anlass. „Grau plus Knallfarbe - das hat eine provokante Wirkung. Das ist frisch und spritzig und extrovertiert“ , sagt die Expertin. Sie hält diese Variante daher vor allem für jüngere Frauen und für die Freizeit passend. Mit Erd- und Rosttönen, Aubergine und Beerentönen kombiniert, habe Grau dagegen einen modischen Auftritt und bleibe gleichzeitig bürokompatibel.
Dezenter bleibt der Look in Grau auch, wenn statt der Kombination mit Knallfarben die Materialien gemischt werden. „Ton in Ton, aber matt und glänzend oder matt und Lackleder zusammenbringen“ , rät Georg Stiels. Eine große Tasche, am besten in Schwarz, dafür in Lack- oder Krokooptik bringe ebenso Abwechslung in das Outfit. „Und Schuhe sind wichtig - mit Ankle Boots sieht das dezente Grau trotzdem weiblich aus.“
So war der Look auf den Laufstegen zu sehen, und so hat er sich auch in den Kollektionen wiedergefunden: Klassisches Grau in zahlreichen Formen zeigen etwa Hugo Boss, Mexx und Marc O'Polo, die verschiedenen Nuancen von Grau lotet Max Mara in München aus, knallfarbene Leggings, Gürtel und Armstulpen zeigt Otto in Hamburg.
Den aktuellen Metallic-Trend würde Maria Hans zum Aufpeppen einsetzen: „Das frischt das Grau auf, sei es als Tasche, Schuh oder Gürtel.“ Die Hersteller schaffen dafür immer umfangreichere und buntere Kollektionen von Accessoires. „Caps und Berets oder überlange Handschuhe als Armschmuck im französischen Stil“ , hat Sandra Jaruschewski beobachtet. Für Jüngere seien sogar knallige Pulswärmer im Rock'n'Roll-Look geeignet, sagt Lisa Zimmermann. Darüber hinaus übernehmen die farbigen Gürtel, Strümpfe und Schuhe das Aufpeppen. „Stulpen dagegen sind so eine Sache - man muss sehr schlank sein, um das zu tragen“ , sagt Maria Hans. Wichtig ist nach Ansicht von Lisa Zimmermann auch, dass ein zum Teint passender Grauton zum Einsatz kommt. „Dunklere Typen wählen ein dunkleres Anthrazit, hellere Hauttypen ein helleres Grau.“ Wird Grau „gesichtsnah“ getragen, empfiehlt Zimmermann zudem ausdrucksstarkes Make-up für Lippen und Augen: „Grau und Schwarz sind Farben, die viel Licht schlucken.“