Spät - mit 25 Jahren - hat Steffen G. mit Rauschgift begonnen. Cannabis und Amphetamine nahm er, probierte Metamphetamin (Crystal). An jenem Märztag 2011 war er glücklich. Er hatte drei Cannabis-Platten erstanden: 191,60 Gramm. Da G. damals ein Gramm Cannabis pro Woche brauchte, wäre er damit fast vier Jahre ausgekommen. Gestellt wurde er mit den Platten im Auto bei einer Kontrolle in der Muskauer Straße in Spremberg, der Führerschein wurde ihm entzogen. Auf der Wache und im Krankenhaus zur Blutabnahme bereute er schon alles. Konsequente Freunde halfen ihm.

Amtsrichterin Marion Rauch staunt. "Dass Sie es selbst von den Drogen weg geschafft haben! Ich habe Angeklagte erlebt, die waren nach anderthalb Jahren nur noch ein Wrack", sagt sie. G. nickt: Der "kalte Entzug" sei "kein Zuckerschlecken" gewesen. Aber er habe jetzt Arbeit, als Tiefbauer. Im Winter sei er zwar zu Hause, aber wenn es mit dem Straßenbau wieder los geht, brauche ihn sein Arbeitgeber.

Ab 7,5 Gramm Tetrahydrocannabinol im Cannabis droht der Gesetzgeber mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr. G. hatte 8,24 Gramm dieses Wirkstoffs in den Platten. Die Amtsrichterin verurteilt ihn zu neun Monaten Haft und setzt sie zu zwei Jahren Bewährung aus. Er ist nicht vorbestraft, beteuert, dass er die Platten für den eigenen Bedarf erstand - eine war angebrochen.

Die Staatsanwaltschaft wünscht sich mehr Kontrollen. "Der Crystal-Konsum hat in zwei Jahren enorm zugenommen. Die Wirkung ist intensiver als bei Heroin oder Kokain. Aber zugleich sorgt Crystal für einen schwereren körperlichen Verfall", sagt Petra Hertwig, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Cottbus. Polizeisprecher Torsten Wendt bestätigt den Anstieg in Südbrandenburg: "Cannabis bleibt auf Platz eins, aber Crystal holt auf. Dank tschechischer Grenze - auch die Kollegen in Bayern und Sachsen registrieren mehr Crystal", sagt Wendt.

Kokain ist in Cottbus so selten, dass Wendt keinen aktuellen Wert für diese Droge nennen kann. Für 0,2 Gramm Cannabis soll er bei 5 bis 7,50 Euro liegen, Crystal ist in der Menge ab 20 Euro zu haben, Speed für 10 bis 15 Euro. Autofahren unter Drogeneinfluss ist verboten. Bei Unfällen wird deshalb auch auf Drogen getestet. Polizisten haben inzwischen einen Blick, ein Näschen und Testgeräte dafür.