Bevor am Sonntag beim Schönewalder Blasmusikfestival die älteren Semester sich auf der Tanzfläche tummelten, war Samstagnacht das große Festzelt fest ganz der Hand der Jugend. Bereits zum sechsten Mal gab es den Elbe-Elster-Talentkontest, organisiert vom Schönewalder Jugendklub. Das Markenzeichen: die überdimensionale rote Gitarre, die man überall im Landkreis sehen konnte.

Moderator und Jury

Wie schon in den Vorjahren war Sascha Gutsche der Moderator und natürlich gab es auch wieder eine Fachjury. Erstmals gehörte Andreas Bergener, der Musikschullehrer und Leiter des Elbe-Elster-Jugendblasorchesters, zur Jury. Ihm zur Seite saß Marco Stahn, den viele als DJ, Moderator und Entertainer beim Ossaker Teichfahren kennen. Schon einen Stammplatz hat Daniel Gutsche, der als Musiklaie versuchte, eine objektive Meinung zu finden.

Jedes Jurymitglied hatte zehn Stimmen zu vergeben. Und dann zählten natürlich auch die "Stimmen des Volkes". Die Wertung war offenbar gerecht gestaltet, der Publikumsliebling hat am Ende auch gesiegt.

15 Minuten reichten kaum

An den Start gingen sieben Acts mit 14 Akteuren, die 15 Minuten Zeit hatten, das Publikum zu überzeugen. Allerdings reichten die 15 Minuten bei den wenigsten, denn alle waren gut, alle mussten eine Zugabe geben.

Bei der Auswahl der Darbietungen hatten die Veranstalter ein gutes Händchen bewiesen, deckten sie doch eine große Bandbreite ab. Von Rock, Pop, Klassik bis hin zur Lyrik und Comedy war alles vorhanden.

Den Auftakt machten die Roadworker aus Elsterwerda. Bei ihrer Percussionshow gab es gleich richtig was auf die Ohren. Die drei Jungs trommelten was das Zeug hielt auf allen möglichen Dingen. Der Auftakt war gelungen.

Es folgten Chris & Christopher, zwei Poeten aus Wahrenbrück, die sich dem Poetryslam verschrieben haben. Sie nahmen sich in geschliffenen Worten das heutige Fernsehprogramm und das Leben von Superhelden vor.

Ruby Simmchen und Athony Ganswindt hatten die weiteste Anreise, sie kamen aus Fürstenwalde. Mit Popmusik, Gitarre und Gesang eroberten die beiden vor allem die Herzen der weiblichen Besucher.

Neun Jahre, super Trompeter

Mit neun Jahren war Alex Petrov aus Bad Liebenwerda der jüngste Teilnehmer. Sein Instrument ist die Trompete. Mit seiner Nummer trieb er Andreas Bergener fast die Tränen der Freude in die Augen. "Ich habe noch nie einen Neunjährigen gehört, der die Trompete schon so hoch spielen kann", sagte er begeistert. Und Alex konnte noch höher, wie er in einer kleinen Zugabe bewies und so das Zelt zum Toben brachte.

Der junge Musikkabarettist Hannes Heimann aus Finsterwalde war in Schönewalde kein Neuling, entsprechend spielte er mit Jury und Publikum. Seine selbst geschriebenen Nummern erinnerten sehr an den jungen Helge Schneider, sehr zum Vergnügen der Zuschauer. Hannes hatte sich mit Niclas Engelhardt Verstärkung auf die Bühne geholt, der mit seinem Gitarrenspiel den Auftritt ziemlich aufgepeppte. Am Ende bekam er 40 Stimmen und landete damit auf dem dritten Platz.

Toller zweiter Platz

Dann kam Unchained, eine noch ganz junge Gruppe aus Musikern aus Finsterwalde, Betten, Schacksdorf und Doberlug-Kirchhain. Es war vor allem Frontfrau Laura Töpfer, die mit ihrer glasklaren Stimme, ihrem Charme und ihrer Ausstrahlung Unchained auf die Straße des Sieges führte. Mit 56 Stimmen reichte es dann aber nur für einen zweiten Platz. Die Freude bei den jungen Musikern war trotzdem riesig, spürten sie doch, dass mit ihrer Musik was geht und sie auf dem richtigen Weg sind.

Langsam kam das Publikum ins Grübeln, wer denn nun das Talent des Jahres im Landkreis wird. Mit Rene Ahlig, einem Singer-Songwriter aus Finsterwalde, der heute in Dresden lebt und arbeitet und sich "No king - No crown" nennt, stand noch eine Nummer aus. Drei Songs, zwei Zugaben und Rene Ahlig war der König des Abends und konnte sich die Krone aufsetzen. Mit 136 Stimmen stellte er einen überzeugenden neuen Rekord auf. "Damit hätte ich nie gerechnet", gestand der 25-Jährige, der seit zehn Jahren Musik macht. "Ich bin überglücklich." Die Jury urteilte: "Ehrlich und überzeugend!" Seine Songs zeichnen sich durch eine tiefe Melancholie und Nachdenklichkeit aus. Sie sind auf keinen Fall tanzbar oder partytauglich und doch überzeugte Rene Publikum und Jury. Dass er alles selbst komponierte und textete, spielte dabei sicherlich eine große Rolle.

Voller Inspiration

"Erlebnisse, Eindrücke, Dinge, die mich bewegen, daraus holte ich mir meine Inspirationen." Ein einjähriger Aufenthalt in Neuseeland spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle, denn dort wurde die Idee zu seinem Projekt geboren. Mit "Heart To Escape" produzierte er in diesem Jahr seine erste eigene CD im Studio und die fand natürlich in Schönewalde einige Käufer. Wer mehr über den jungen Musiker erfahren möchte:

www.nokingnocrown.de.