Der erste Akt, die Jagd nach Plätzen. Obwohl der Saal des Bürgerhauses bereits im Vorfeld ausverkauft war, wollte der Veranstalter viele am Eingang stehende Theaterbegeisterte und Stammkunden dennoch einen Platz ermöglichen. Das hieß ganz einfach: Stühle suchen und damit in dem überfüllten Saal ein freies Plätzchen finden. "Ich weiß nicht, ob wir das machen sollten, den Saal so voll stopfen zu lassen. Theater soll ja Spaß machen", sagte Kulturamtsleiter Andreas Pöschl, als Mitarbeiter des Kreismuseums kurz vor Veranstaltungsbeginn mit Stühlen und weiteren Tischen in den Saal eilten.

Radikaler war der Vorschlag des Künstlerischen Leiters des Puppenspielfestivals Dr. Olaf Bernstengel: "Wir brauchen ein größeres Bürgerhaus. Ein Appell an Thomas Hettwer vom Sponsor, der Sparkasse Elbe- Elster. Er möge am Montag zu seinem Chef gehen und ihn um einen größeren Saal bitten. Spaß beiseite, wir sehen, das wir vom 1. bis zum 15. Puppenspielfestival den Weg gut absolviert haben. Wir sehen aber auch, dass wir Grenzen haben. Heute, wo wir immer mehr Partner haben, müssen wir sehen, wie sich das Festival auch weiterhin organisieren lässt. Dabei hat es sich als richtig erwiesen, es über viele Veranstaltungen über den gesamten Landkreis rollieren zu lassen", sagte Bernstengel bei der Eröffnung das Abends. Obwohl es sich noch um ein vergleichsweise kleines Festival handele, verglich der Theaterwissenschaftler das Festival mit ähnlichen europäischen Festivals, bei denen er teilweise als Organisator mitwirkte.

"Das hätten wir uns am Anfang nicht träumen lassen, dass wir eines Tages bei Puppenspielen für Erwachsene ein so volles Haus bekommen würden", freute sich Kulturamtsleiter Andreas Pöschl. Die Lange Nacht des Puppenspiels in Bad Liebenwerda habe sich innerhalb des Internationalen Puppenspielfestivals als fester Bestandteil sehr gut etablieren können.

Bleiben noch die anderen an diesem Abend erlebten drei Standbeine des Puppenspiels. Bereits am Eingang begrüßte Gernot Nagelschmied vom Theater Namlos aus Südtirol/Italien die Gäste mit seinem Einmanntheater. Nicht nur, dass er als einziger Puppenspieler auftrat, auch das Publikum bestand nur aus je einer Person. Hierbei über das Platzangebot zu debattieren wäre wohl sinnlos, aber jedes Mal, wenn der winzige Vorhang fiel, kam ein strahlendes Gesicht unter dem schwarzen Vorhang hervor. Die "Berliner Stadtmusikanten" des "Theater Zitadelle" mit Daniel und Regina Wagner aus Berlin sorgten mit ihren Figuren Wolf, Frau Katze, dem Spatzen und der Kuh und einem etwas anderen, absurden Theater aus dem Altersheim für ernsthafte Probleme für die Lachmuskeln. "Manch einem blieb das Lachen im Halse stecken. Eine tolle Inszenierung durch ihren Witz, der Zeitkritik, puppenspielerisches Handwerk und exzellente Puppenführung. Ein echter Schenkelklopfer", sagte Dr. Olaf Bernstengel nach dem Abend.

Ein völlig anderes Stück zeigten am späten Abend Franka und Andreas Kilger vom Theater KnuTh aus Holzheim. Das Daniel-Charms-Stück aus dem Russland der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, das aus heutiger Sicht recht harmlos wirkt, kam zur stalinistischen Zeit sehr aufrührerisch an und hätte für den direkten Weg nach Sibirien gesorgt. Die Einzelperson des kleinen Vertunov schafft es in der Zirkuswelt gegen den - vergleichbar zur Regierung - großen, regierenden und mächtigen Zirkusdirektor anzukommen.