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Dobrindt kündigt Plakette und Führerschein für Drohnen an

Berlin. Der Drohnen-Boom hat auch seine Schattenseiten. Laut der Deutschen Flugsicherung behinderten die Geräte letztes Jahr 64-mal Flugzeuge beim Landeanflug oder kamen ihnen gefährlich nahe – fast fünfmal so oft wie im Jahr zuvor. Hagen Strauß

Außerdem stürzten Drohnen ab und schlugen nur wenige Meter neben Menschen ein. "Je mehr aufsteigen", so Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), "desto größer wird die Gefahr von Kollisionen, Abstürzen oder Unfällen." Das Bundeskabinett hat deshalb am Mittwoch schärfere Regeln für Drohnenpiloten beschlossen.

Nach Schätzungen von Verkehrsexperten werden derzeit in Deutschland rund 400 000 der wendigen Flugobjekte genutzt, im Jahr 2020 sollen es bereits über eine Million sein. Drohnen sind als "Spielzeug" beliebt, zumal sie häufig auch über eine Kamera verfügen.

Darauf müssen sich die Nutzer nun aber einstellen:

Plakettenpflicht: Alles, was unbemannt fliegt und mehr wiegt als 250 Gramm, muss künftig mit einer Plakette gekennzeichnet sein, auf der Name und Adresse des Eigentümers eingraviert sind. So soll im Schadensfall der Halter festgestellt werden können. Laut Verordnung kostet eine solche Plakette circa zehn Euro.

Drohnenführerschein: Für Drohnen oder Modellflugzeuge mit einem Gewicht über zwei Kilogramm wird künftig ein "Kenntnisnachweis" erforderlich sein - also eine Art "Drohnenführerschein". Allerdings nicht, wenn man die Drohne auf einem Modellfluggelände fliegen lässt. Der Nachweis erfolgt entweder durch Vorlage einer Pilotenlizenz oder nach einer Prüfung durch eine vom Luftfahrt-Bundesamt anerkannte Stelle. Die Prüfung soll man auch über das Internet ablegen können. Wegen der technischen Entwicklung verliert der Nachweis allerdings nach fünf Jahren seine Gültigkeit. Kosten der Bescheinigung: 25 Euro.

Altersbeschränkung: Wer den "Drohnenführerschein" machen will, muss mindestens 16 Jahre alt sein. Wer unter 18 Jahre ist, benötigt die Zustimmung der Eltern.

Schwere Drohnen: Für Drohnen oder Modellfluggeräte über fünf Kilogramm ist künftig zusätzlich noch eine Aufstiegserlaubnis notwendig, die von den Landesluftfahrtbehörden erteilt wird. Kosten laut Entwurf: durchschnittlich 80 Euro.

Flugverbote. Generell müssen Drohnen oder Modellflugzeuge immer in Sichtweite geflogen werden. Höher als 100 Meter dürfen sie aber nicht mehr aufsteigen - ausgenommen auf Modellfluggeländen. Außerdem ist der Betrieb über "sensiblen Bereichen" wie Einsatzorten von Polizei und Rettungskräften, über Menschenansammlungen, Autobahnen, Bahnstrecken oder in An- und Abflugbereichen von Flugplätzen verboten. Drohnen mit einem Gewicht über 250 Gramm dürfen auch nicht mehr über Wohngrundstücke fliegen. Ist das Gerät mit einer Kamera ausgerüstet, darf es das - unabhängig vom Gewicht - grundsätzlich nicht. Es sei denn, der Betroffene stimmt zu. Bei einem Verstoß gegen die neuen Regeln droht übrigens ein Bußgeld. Nach Angaben des Verkehrsministeriums können je nach Schwere und Gefährdungsgrad bis zu 50 000 Euro fällig werden.

Der Bundesrat muss den Gesetzesplänen Dobrindts allerdings noch zustimmen.